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Erzählungen um den Olla

Werfen wir nun einen Blick auf die vielen im Volke überlieferten Sagen um den Olla, so möchte ich vorweg bemerken, daß der geschichtliche Charakter dieser Höhe im Volksbewußtsein wohl kaum gut erhalten geblieben wäre, wenn nicht als sichtbares Zeichen das Steinkreuz hier seinen Platz gefunden hätte. Sie alle zu enträtseln und näher auf die tiefere mythologische Bedeutung der einzelnen Erzählungen einzugehen, würde den Rahmen dieser Arbeit überschreiten.

a) Auf dem Olla zwischen Evessen und Schöppenstedt steht ein Kreuz. Es ist zur Erinnerung daran errichtet, daß hier ein Dorf gestanden hat, welches im 30jährigen Kriege verwüstet und niedergebrannt ist. Die Bewohner sind hierbei alle ums Leben gekommen und irren als Irrlichter nachts hier oben umher. Ein jeder ehrliche Christenmensch meidet daher bei Nacht diese Stelle.
(Erzählt von Altvater Löhr, Evessen.)

b) Nachts ist es auf dem Olla nicht geheuer. Hier war früher um Mitternacht immer ein einsames Licht zu sehen. Oft ritt hier auch ein Reiter auf einem weißen Rosse entlang. Es soll sich hier nach den Erzählungen der alten Leute vor Jahren viel zugetragen haben. Zwischen Evessen und dem Olla darf man nachts von 12 bis 1 Uhr nicht gehen, denn da geht immer der Gluhswanz um. Es sind in alten Zeiten hier auch schon welche umgebracht.
(Erzählt von Frau Pape, Bansleben.)

c) Die von Uetze auf Ampleben waren große Raubritter. Von ihrem Burgturm aus beobachteten sie die Heerstraße, die über den Olla von Braunschweig kommend nach Magdeburg führte. Kam wieder einmal ein reicher Wagenzug vorbei, sind sie durch einen unterirdischen Gang, der von Ampleben nach dem Olla führte, geeilt und haben hier oft Leute überfallen. (Erzählt von Herrn Paul Gleitz, Schöppenstedt.)

d) Beim Olla steht ein Steinkreuz - das ist die Grenze. Hier gehen die drei Bergstädte Evessen, Gilzum und Hachum an.
(Erzählt von Altvater Kükelhahn, Eitzum.)

e) Auf dem Kreuzwege, der die Orte Eilum - Ampleben und Evessen - Schöppenstedt verbindet und auf dem Olla, geht nachts in der Geisterstunde eine Sau mit elf Ferkeln um. Die alten Leute in Eilum erzählten sich früher viele Gruselgeschichten von diesem Geistertier, welches auf dem Olla schon viele Menschen angefallen haben soll.
(Erzählt von Herrn Beddig, Eilum.)

f) Mein Großvater, der alte Fritz Mühe, war aus Sambleben gebürtig. Er hob oft warnend den Finger und sagte: "Junge, Junge, gah 'ja nich nachts owern Olla! Da löppet en groter swarter Köter rummer, dä all ofte Lüe annefallen hat."
(Erzählt von Herrn Dreißig, Hachum.)

g) Zwischen dem Olla und Evessen ging nachts der Gluhswanz um. Wehe dem, dem er begegnete! Oft wurde gesehen, daß er in den Schornstein des alten Berkelmannschen Tagelöhnerhauses am Kirchhof in Evessen einfuhr.
(Erzählt von Altmutter Künne, Gilzum.)

h) Auf dem Olla unfern Eilum läuft nachts zwischen 11 und 12 Uhr ein Hund mit großen, glühenden Augen umher und erschreckt die Wanderer und die Pferde vor dem Wagen. Es fuhr einmal ein Mann von Braunschweig nach Schöppenstedt zurück. Wie er auf den Olla kommt, scheuen seine Pferde, doch kann er selbst nichts Fremdartiges sehen. Er beruhigte seine Pferde wieder, aber eine Zeit nachher, als er sich einmal umsah, bemerkte er den Hund mit den glühenden Augen.
(Erzählt von Lehrer Schucht, Schliestedt; Th. Voges, Sagen, S. 137.)

Heinz-Bruno Krieger 1955