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Tragisches Unglück an der Jakobsmühle 1961

Lutterbach riß Mutter und Kind mit sich

Ein tragisches Unglück, das allgemeine Teilnahme erweckte, ereignete sich am Sonntagabend, dem 9.April 1961 in Königslutter:

Ein zweijähriger Junge, der beim Spiel in den reißenden Bachlauf der Lutter gefallen war, trieb mit dem Wasser unter die Häuser und Straßen ab und ertrank. Um ihr Kind zu retten, war die Mutter, ohne sich zu besinnen, hinterhergesprungen und ebenfalls unter den Häusern verschwunden. Sie konnte jedoch noch lebend gerettet werden.



Das Unglück begann kurz nach 18:30 Uhr. Eine Viertelstunde später zog ein Polizeibeamter den zweijährigen Jungen ungefähr 500 Meter von der Unglücksstelle entfernt am Wehr der Herrenmühle aus dem Wasser. Die traurige Gewißheit bestätigte sich - alle Wiederbelebungsversuche blieben ohne Erfolg. Der noch nicht ganz zweijährige [...], der kurz vorher mit einem kleinen Mädchen noch vergnügt gespielt hatte, war tot.

Währenddessen hatten Feuerwehrleute und andere herbeigeeilte freiwillige Helfer mit langen Stangen die Suche nach der Mutter aufgenommen, die ebenfalls mit dem Hochwasser der Lutter unter die Häuser abgetrieben worden war. Nach sieben Minuten fieberhafter Suche zog man sie besinnungslos an Land. Große Scheinwerfer, die bei der inzwischen angebrochenen Dunkelheit montiert worden waren, erhellten die Umgebung der Unglücksstätte.

Wie das Unglück geschehen konnte, wußte nur das Mädchen zu erzählen, das mit dem kleinen [...] auf dem Hof des Grundstücks Mühlenstraße 1 (ehemals Horenk'sche Mühle [Jakobsmühle]) gespielt hatte. Die beiden Kinder hatten Steine in das Wasser geworfen. Dabei war der Junge ausgerutscht und in den Bach gestürzt.

Durch die Regenfälle in den vergangenen Tagen führte die sonst friedlich dahinplätschernde Lutter am Sonntagabend Hochwasser. Dabei hatte sich der Kleine nirgendwo mehr festklammern können.

Niemand weiß, ob der Junge sofort ertrunken oder erst später ums Leben gekommen ist. Als man die Leiche des Kindes fand, war der Körper mit Platzwunden übersät. Auf dem Grundstück Mühlenstraße 1 in Königslutter wurde früher eine Wassermühle betrieben. Darum steht auch hier noch der Wasserfall, dessen Sog Mutter und Kind in die Tiefe riß.

Unmittelbar dahinter verschwindet die Lutter unter den Häusern und der Mühlenstraße und tritt erst hinter den Grundstücken auf der anderen Straßenseite in den Gärten wieder an die Oberfläche. Kurz dahinter verschwindet die Lutter abermals für ein kurzes Stück unter der Straße Stobenberg.

Während die Mutter am ersten Sieb in der Lutter hängengeblieben war, wurde das Kind immer weiter durch das reißende Wasser gewirbelt und zog sich dabei die schweren Platzwunden zu.

Das furchtbare Unglück löste am Sonntagabend in ganz Königslutter Mitgefühl aus. Trotz der überaus schnellen Rettungsaktion kam für das Kind die Hilfe zu spät. Daran konnte selbst der Katastrophenalarm nichts ändern, der zum erstenmal seit Menschengedenken in Königslutter ausgelöst wurde.

Braunschweiger Zeitung 11.April 1961