Startseite -> Index

Kinnertied

Erinnerungen von Walter Lubasch - Notiert von Heinz-Bruno Krieger 1983

"Ick bin ain luttersches Kind! - daroppe bin ick mien Lewe lang stolz e' west. Nejjentainhunnerttwölw bin ick oppe Welt e' komen.

Mien Vader moste Soldat wären, un dann in' Krieg trecken. Hai kaim nejjentainhunnertnejjentain haile weer na Huse taurüjje. - Vader is denn na Beienrode nan Schacht e' fäuert, un moste jeen Dag in aller Herrgottsfräue um klocke Veier opstahn. Hai is denne tau Faute na en Beinroer Bahnhowwe e' gahn, dä dichte vorr Lauig lag. Von hierut is denne dä Bimmelbahn jümmer nan Schachte, na Beinroe e' fäuert. -

Miene Mudder is öhr Lewe lang na'er Konserve, dä opper Parkstrate lag, e' gahn, dä ok von morjensfräu, bett inne Nacht hinein, sommerdags in' Jange was. -

Da ick nu dä jüngste von mienen Jeswistern e' west bin, un miene Swestern all uten Huse ruter wörren, moste ick in Sommer jeen Dag naen Holte ropper, un vorr use twei bett drei Swiene, dä wie oppen Stalle, Jahr vorr Jahr sitten harren, Brennettel un Diesteln tau halen.

Meistens bin ick denne mit usen Handwagen naen Schorstidtschen Holte oer naen Bormschen Lichtslag ropper e' fäuert. Ick hewwe da veele Stellen e' kennt, dä vull von dä schönsten Brennettel un Diesteln stunnen.

Eh' ick denne naen Elm los e' fäuert bin, moste ick den Kartuffeldämper oppen Herd setten un denne, na miener Rückkehr, wenn dä Kartuffeln e' koket harren, moste ick twei Dröje mit Kartuffeln un ain Drog mit Diesteln un Brennetteln stampen, un düsse dann middenanner vermatschen.

Untälijemale bin ick ok na'n Elm ropper e' fäuert, un hewwe mit usen Handwagen en Fäuer Holt runner e' halt. Sau hewwe ick dat ganze Brennholt vorren Winter besorjet, runner e' halt, kaputt e' maket un in usen Stall oppestapelt.

Miene Öldern harren ok en' Garen - wer harre dunnemals kainen Garen? - ut däne wie allet taun lewen ruterhalt hett. Wie harren ok Zicken un Gäuse oppen Stalle sitten, un ick hewwe mick, sau lange ick mick taurüjje versetten kann, jümmer um allet e' kümmert.

Nich wiet von us entfernt, in use Nachwerschaft, wohne dä ole Fru Sanitätsrat Diesing, an' Tollplatze. Fru Sanitätsrat was ne gaue Frau. Sai freue sick jümmer, wenn ick as Junge na sai henn kaimen dä, un vorr se inne Stadt Besorjunge maken dä. Ick halw ok Holt vorr dä Owens tau hacken un in' Garen Krut ut tauruppen. Da hewwe ick denne jümmer wat tau äten e' krejen un ok manchen Groschen noch datau ...

Miene schönsten Erinnerungen an dä Kinnertied hewwe ick awer in' "Gasthus taur' Linde" liejen, dat vorr usen Huse, in dat wie wohnen däen, anne Ecke vonne Bronswiekschen Strate un Tollplatz stund.

Ick wett et noch jenau, sau as wenn et gistern e' west wörre. Ick satt oppe Treppe, dä na bowen ropper gung un durfte dat Botterfatt drahen. Wenn ick denne Glück harre, un ne snelle Bindunge taustande kam', dann sejje Mudder Thiele, was dä Wirtsfrue was, tau mick: "Walter, nu lop man mal hille na Ludchen Rosemeyer un hale twintig Franzbrötchen, ick koke üsch intwischen ainen schönen Kaffee." Un denne, wenn ick schon uten Huse ruter was, raipe sai noch hinter mick her: "Bringe mick awer ja frische Brötschen!" - Kaim ick denne wäer von Ludchen Rosemeyer taurüjje, dann duftete mick dä schönste Kaffeeduft all entgejen. Nun moste ick mit Mudder Thiele un öhren Mann Aujust Thiele tausammen Kaffee trinken.

Tau mienen duernden, lüttjen Obliejenheiten jehöre ok dä Benachrichtijunge vonne Skatbräuders, dä inne "Linne" rund um jümmer taun Skatkloppen tausamme kaimen. Datau jehöre denne unner annern Otto Gerecke vonne Poststrate, Justizwachtmester Lippert von' Amtsjerichte, un noch veele annere Honoratschoren, un natürlich dä Lindenwirt Aujust Thiele, nich tau vergetten. Ick kreje denne von jeden düsser Herren ain lüttich Trinkgeld oer, man kann ok sejjen Boenlohn, wat sau twischen tein und twintig Pennig lijjen dä.

Ainmal in' Jahr fand ok inner "Linne" dat Jagdeeten statt. Dä Jagdjenossen harren datau veele Ehrengäste un Jäger innelaen un et gaff dann meistens Reh- un Hasenbraten, tau dene denne jümmers ne grote Unmenge Beier un Brannewien utetrunken wörre. Den Brannewien unne Zigarren moste ick denne jümmer all vorrher midden Handwagen von Kuthe un Woege vonne Wallstrate halen.

Hierbie mott ick jümmers an' olen Möllering vonne Elmstrate denken, dä bie Kuthe un Woege as Brennmester annestellt was; hai harre ok dän Verkof vonne Fuddermiddel unner sick. - Wie ick nu mal wedder unnen oppen Howwe stahen dä, um Fuddermiddel tau halen, un mick dä Tied tau lange vorrkaimen dä, ehe dä ole Möllering runner kam, da harre ick mehrmals oppen Finger e' fläutjet, ohne mick awer sau recht wat dabie tau denken. Op ainmal kaime dä ole Brennmester Möllering polternd dä Treppe von bowen runner; hai weddere un schümpe, dat dä Wänne man sau an tau wackeln anfungen, un raipe mick schon von wieten tau: "Du verfluchter Lusebengel, du Schwienehund! - ick weere dick schon oppe Sprünge hülpen, bie mick weert katten un Hunne e' fläutjet, awer kaine Minschen, un schon gar nich ick!"