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Lutterscher Jahrmarcht

Wat wörre dat doch vorr en Lewen un vorr en Driewen in usen olen Städtchen Lutter an' Elme, wenn et wäer e'mal Jahrmarcht war.

Et fung damidde an, dat dä ersten lüttjen Pärewagens mit öhren Pären davorre, dorchet Bronswieksche Dor inne Stadt rinner e'träcket kaimen, un sick dä Nawerslüe ute Husdöre un ute Fenster ruter tau raipen däen:

"Et is Jahrmarcht, et is Jahrmarcht - dä Pärewagens komet all..."

Allet lope nu hille naen Tollplatze henn, wo dä fahrenden Lüe öhre Buden un Stenne opbuen däen. Dä Jungens un dä Mäkens konnen et gar nich erst aftäuben, bett et sauwiet eas, datte Jahrmarcht eröppnet wörre. Je'e friee Minute wörren se oppen Tollplatze. Ach, wat gaf et da awer ok allet tau kieken un tau begaffen.

Da stund dä grote Bolchenbude mit öhren veelen Säutigkeiten. Et gaf da Nutschestangen un Zuckerkringeln, grote bunte Lewkaukenharten, Pepperminten un Lakritschen, un wat wet ick nich noch, wat et da noch allet e'gewen hat. -

Inn annere Bude gaf et Piepen un bunte Propellers, Luftballons un Fläutchen, lüttje Puppen und Apen taun optrecken, dä quaken denne sau igendömlich, un noch veelet, veelet andere mehr.

Et wörren ok immer mehrere grote Scheitbauden da, in dä et veel tau scheiten gaf.

Puppen un Teddybären, Apen un Elefanten, un vorr allen veele bunte Blaumen. Da stunnen denne dä Mannlüe un dä Jungens davorre, un scheiten vor öhre Fruenlüeallet mögliche vonne Stange runner.

Vorr dä lütjen Kinner awer was en grotet Karussell da, dat immer vorne ann Ecke von Drojerie Asmus, anne Strate stahen dä. Ringsrummer oppen Karussell wörren grote, witte Päre, ok feine Kutschen annebracht, dä alle ganz prachtvull oppetäunt un oppeputzet wörren. Et was einen da sau ordentlich swummerig ummet Harte, wennen op sau einen Pärd droppe klettert was, un sick dat Karussell denne, na dä Dreihorgelmusike duernd in Kriese rummer dreien dä, sau, datten zauletzt ganz ramdösig in' Koppe wörren dä. Miene Mudder was ne arme un sparsame Witfrau, un moste jeden Groschen erst dreimal ummedreihn, eh sei ne utgewen konne. Sei segge denne immer tau us Kinner:

"Dat je'e ja nich vorr dat Geld Karussel fäuern daut!" -

Dat gaiht en paarmal henn, un en paarmal her, un jüe Groschen is futsch, un jie kieket denne naher inne Röhre. Kopet jüch leiwer davorr en Zieseken oern dicken Eierkauken, da hät je wat vonne in' Magen." -

Bie Uhde von Reichenbach, drömmen oppe annere Stratensiete, na Willeke siener Villa tau, stund Otto Jeremias ut Bronswiek mit sienen Stand. Hai harre immer en swarten Gehrock an un en Zylinder oern Praline oppen Koppe. Wenn hai losbölken dä, dann höre man seine grote klappe owern ganzen Marcht rower. Ick wett et noch as wenn et erst hüte e'west wörren dä, wie hai luthals rummer bölke, dat seine Haarkämme, dä hai anpriesen dä, da besten un billigsten Kämme in' ganzen Bronswiekschen Lanne wörren. Sien: "Lüe, koopt Kämme, et komet lusige Tieten", - klunk mick noch veele, veele Jahre späder lut inne Ohren.

Unnen, oppen Tollplatze, balle unner dä ersten, dicken Kastanienböme, stund dä Kasperlebude, umringet von veelen, veelen lüttjen Kram'm, Jungen un Mäkens. -

Ach wat wörre dat schön! - Dä Kasperle harre saune grote, lange Näse in' Jesichte, un sonne groten Hänne, dat, wenn hai antau spräken anfung, alle Lüe un alle Kinner luthals lachen mosten.

Ick harre mick dann hinnerher, wenn dä Jahrmarchtslüe wäer ower alle Barje e'trecket wörren, sülwest en Kasperletheater uter olen Appelsinenkiste e'but un oppemaket un alle lüttchen Kinners vonne Nienstrate, uter Middelgasse un von' Kattreppeln kaimen dänne, un brochten mick als Eintrittsgeld taun Taukieken Zigarettenbilder oer Appel un Beeren, un wat wet ick nich noch allet midde. Datau mott ick awer noch seggen, dat ick damals sülwest erst saun lüttjen Bengel von seße oer sebben Jahre olt e'west bin. Awer nu weer taurüjje, tau use leiwen Jahrmarcht oppen Tollplatze tau Königslutter. Dabie was denne ok jedes Mal aine Luftschaukel mid sonne lüttjen, bunten Schiffchen, wo sick dä junken Bengels unne Mäkens rinner stellen däen, um denne bett in'n Hewen rinner, hoch in dä Lüfte tau schaukeln. Dä Mäkens un dä anderen stunnen dann unnen oppe Eere un juchterten und kreischen luthals umme Wedde. Dä Bengels wörren orrentlich stolz oppe Bost, wenn se dann wäer unne oppe Eere stunnen.

Wat was awer saun Jahrmarcht ohne dä grote Zauberbuden un ohne dä veelen Panoptikums un Wunderbuden? - Da was dä dickste Fru der Welt tau bewundern. Man konne von butten öhre dicken Schenkel saihn. Sai harre nämlich ain Bain von innen na butten dorchen Lock ruter e'stoken, dat inne Bredderwand rinner e'snedden was.

Datau quitsche ain Grammophon den niesten Slager:

"Hier kann man Waden sehn, Waden sehn, hübsch und schön...".

Dä junken Mäkens un dä Fruenslüe kreejen alle ganz roe Köppe un keeken nae annere Siete röwwer, wenn se hier vorbie kaimen däen. Dä Mannlüe awer wörren reine dull, un drängelten sick immer wäer, wenn se inne niee Vorstellunge rinne gahen wollen.

Inne annern Bude konne man ganz gruselije Moritaten durch saune lüttjen Glasfensterken tau seihn kreijen. In ainer Ecke was Sabinchen ut Treuenbrietzen tau saihn, wie sei von öhrer Herrschaft dä silbernen Blechlöppel klauen dä. Davorr wasse denne von den bösen Schausterjeselle, dä öhr Leifhawer e'west was, gräulichst ermordet. Dä böse Schausterjeselle awer wörre e'snappet, un enne sein Lewen an ainen Galgen. - Düsse veelen Bilder antausaihn was awer sau grulig, datten oft det Nachts in' Slaf davonne drömen dä. -

In ainer Ecke vun'n Jahrmarchte stund dä Wöstchenbude von Päreslachter Knoche ut Helmestidde. Da koste aine dicke Pärewost, tau dä wie Zieseken sejjen däen, mit orrentlich veel Mostrich dropper, nur ainen Groschen. Wenn dat mal nich ganz sau grot was un dä Mannlüe darower schimpen deien, dann kaime et ok vorr, datten ok vorr fiew Pennije ne Wost krejen hat. Awer dat was natürlich noch lange nich allet, wat et von Jahrmarcht tau vertellen gift.

Oppe Elmstrate un hinnere Mure (=Wallstraße) was det Morjens dä Farkelmarcht. Da kaimen denne dä Buren vonne Dörper inne Stadt un veele fremme Veihhändler wörren ok immer da. -

Da stunnen denne owerall dä Veihwagens midden Hupen von Swieneveih dabie un et wörre nu midde lutterschen Mannslüe un Fruenslüe um dä Priese vonne Farkels rummer e'feilschet.

Harren se denne awer en gauen Afschluss un en gauet Jeschäft e'maket, denne gungen se na Herrmann Lübeck in' olen "Landsknecht", oer na Tedchen Grotefend inne "Quelle", un da worre denne altauhope orrentlich ein e'nommen. Ok bien olen Gastwirt Thiele inne "Linde", un bie Karl Kreye in "Wilhelmsgaren" satten se un kippen sick orrentlich wecke hinner de Binde. Dabie wörren denne allerlei Nieichkeiten ut Stadt un Land vertellt, dat sick dä Balken man nur sau biejen däen. Awer wie wörren ja dataumalen noch veel tau lüttich, um dabie tau sitten. Wie keeken us dat gequietsche un gequatsche, dat gekrimmele un gewimmele von dat leiwe Swieneveih oppe Strate an un wennen danne biee Staatsbank umme Ecke rummer kaimen dä, da wörren owerall dä veelen Töppe un Kannen oppe Eere utebreitet, dat et ne wahre Pracht was, dat allet antau saihn.
Findlingsblock auf dem Zollplatz in Königslutter Unde, oppen Tollplatze, da, wo fräuer dä grote Findlingsblock von Achteinhunnertdritteihne stunnen dä, naen Kellergaren tau, wörren wiet un briet dä veelen bunten un witten Teller un Tassen ute lejjt. Dä olen unne junken Fruenslüe sochten sick dä besten Stücke ruter, un nachdene sai öhren Besitzer e'wesselt harren, slepen se dann dä Pötte kiepenwies na Huse.

Dann weher stunnen dä Lüe mit groten Teppichen un dicken Daukrollen, mit bunten Garn un Wollständen. Et gaf feine Spitzen un bunte Däuker, Samtkissen un Wandvorrhänge mit bunten Bildern daroppe malt, dat man gar nicht wusste, wat man sick altauhope tauerst ansaihn un köpen solle. Awer dat slimmste wörre doch vor mick immer, wenn ick twei Groschen vonne Mudder e'krejen harre, dat was vorr miene Mudder schon en grotet Opfer, düsse twintig Pennigeje sau lange wie nur örrentwie möglich festtauholen un nich uttaugewen. - Wenn ick se erst los war, un mick davorr watte koft harre, dann was dä grote Freude vorrbie. -

Henn un wedder is et ok vorre komen, dat man von'n Bekannten oern Verwandten fief Pennige datau e'krejen harre - awer dat was immer ne grote Utnahme e'west. -

Ainmal, ick mot woll dat erste oer dat tweite Jahr inne Schaule e'west sein, ick wettet noch sau genau, as wenn et hüte morjen e'west wörre, gung ick det morjens wie immer freu naer Drieweschaule ropper. Unnerwejens kaimen mick oppen Kattreppeln wecke von mienen Mitschäulern ut miener Schaulklasse entgejen, dä alle all vonne Schaule taurüjje kaimen däen.Schon von wieten raipen se, un fuchtelten fröhlich inne Luft rummer. Sei slenkerten midden Händen un midden Fäuten, wie man sau tausejjen dait, un reipen luthals:

"Et is hüte keine Schaule! - Dä Schaule fällt hüte ut! - Et is hüte Jahrmarcht, un darum bruket wie hüte nich inne Schaule, dä Schaulmester hat üsch alle wäer na Huse e'schicket! - Juchhe! - Op naen Tollplatze! - Op naen Jahrmarcht!"

Dat was jüch vielleicht ne grote Früe! - Henn na Huse, dän Tornister inne Ecke rinnersmedden, un nu nist wie henn naen Jahrmarcht! - Da kwieke et einen dänn schon lustig entjejen, alle Lüe harren schienbar hüte Fieerdag, dat et ne wahre Pracht wörren dä. -

Awer wehe! An' annern Dage, da was Holland in Not! - Wie moste inne Schaule alle rut ut dä Klasse, un sau lange butten oppen Schaulhoff stahnbliewen; denne mosten wie wäer einzeln rinnerkomen. Dä Schaulmester wolle nu von jeden von us wetten, woher hei e'wust härre, dat keine Schaule west wörre. - Wie harren alle bannige Angest, awer dat is denne doch nich ruter e'komen, wär dä Anstifter hiertau e'west is. Et harre denne noch dulle Schimpe gewen und danne wörre allet gaut e'west. -

Nu is all veele Jahre Gras ower dä Jeschichte e'wussen. Et is allet anners e'worren. Dä Tollplatz is hüte en schönen Park, un dä Jahrmarchte sünd all seit veelen jahren ann Elmstrate, oppen groten, schönen Karl-Köhler-Platz. -

Kome ick awer owern Tollplatz, dann mott ick immer wäer an miene Kinnerjahre taurüjje denken, an dä veelen schönen Jahrmarchte un dä veelen, veelen Stunnen, dä ick un veele luttersche Jungen un Mäkens, Mannslüe un Fruenslüe hier, vorr ower fieftig Jahren verlewet hät. -

Un wenn ick denne sau vorr mick hendrömen dau, dann bin ick doch sau en ganz bettchen drurig, drurig daröwer, dat dä Kinnertied all sau lange wäre vorröwer un vorbie e'gahn is....

Heinz-Bruno Krieger