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Erinnerungen zum Muttertag

Muttertag - Tag der Besinnung auf die Liebe der Mutter; Tag des Dankes an die immerwährende Großmut und Opferbereitschaft der Mutter. -

Wer denkt an diesem Tage nicht an seine Mutter, an die Zeit der Kindheit? - Ist die Mutter auch nicht mehr unter uns, ein jeder guter Mensch wird die Erinnerung an sie immer in seinem Herzen tragen... Mein Leben - meine Kindheit und Jugend, ja meine ganze Entwicklung ist nicht ohne die Liebe und Erziehung, ohne den Einfluss meiner Mutter zu denken.

Mutter war eine wunderbare Frau! - Wenn ich heute, im Abstand vieler Jahre an sie zurückdenke, so muss ich bekennen, dass sie in ihrer Art einmalig und beneidenswert gewesen ist. Sie strahlte trotz großer wirtschaftlicher Sorgen und großer körperlicher Behinderung, bedingt durch ein chronisches Beinleiden, immer Gottvertrauen und Zufriedenheit aus. Früh, wenn der Tag erwachte, war Mutter die Erste im Hause. Des Abends, wie konnte es wohl anders sein, war sie die Letzte, die, nachdem alles versorgt und zu Bett gegangen war, selbst zur Ruhe ging. Es gab wohl keine Stunde am Tage, die nicht ausgefüllt war in Sorgen und Mühen um das Wohl der Nächsten. Dem allen nun ungeachtet, hatte sie aber immer noch Zeit zu einem freundlichen Wort, zu einem anschaulichen und belehrenden Gespräch. Wie viele Bettler, Landstreicher und Hausierer kamen damals an die Haustüren, um eine kleine Gabe, ein Stück Brot zu erbitten. Von meiner Mutters Haustür ging niemand fort, ohne nicht eine kleine Gabe empfangen zu haben.

Da waren die vielen schönen Gespräche, die Mutter mit uns Kindern so gerne führte. Sie wusste so viel zu erzählen von der großen, weiten Welt, von den Ereignissen , die sich in der nahen und in der fernen Vergangenheit zugetragen hatten. Aber immer stand im Mittelpunkt aller Gespräche der kleine Lebensbereich, in dem wir lebten, die kleine Stadt Königslutter am Elm - die Landschaft zwischen Elm und Lappwald, mit ihren Menschen und ihren Freuden und Leiden.

Mutter war diejenige, die aus aller Not einen Ausweg fand, die die Hosenböden flickte und die Strümpfe stopfte, die unermüdlich bestrebt war, für Wohl und Wehe der Familie zu sorgen. Sie war die große Beherrscherin aller Künste und musste sie auch jeden Pfennig dreimal umdrehen, ehe sie ihn ausgab, so konnte sie doch aus einer handvoll Suppenkraut das beste Mittagessen kochen.

Wie oft bin ich mit meiner Mutter zum Garten gegangen, um aus diesem den Lebensunterhalt zu holen. Wie oft haben wir den Handwagen genommen und sind zum Elm hinauf gefahren, um aus diesem das Brennholz für den Winter herunterzuholen.

Kam dann der Abend und die Nacht ließ ihre dunklen Schatten in die Stube heraufsteigen, dann saßen wir oft am Fenster, schauten auf die Straße hinaus und Mutter erzählte aus ihrer Kindheit, von ihren Eltern und Großeltern und an uns Kindern zogen die Erinnerungen einer längst vergangenen, fernen Zeit vorbei. Das war die "Schummerije", jene unvergleichbare Spanne zwischen Tag und Nacht, deren Geheimnis man nicht begreifen kann, deren Zauber aber nur derjenige ermisst, dem so ein Augenblick des Glücks beschieden ist, der in so einer Stunde verborgen liegt.

Es gibt kluge und gelehrte Frauen, meine Mutter aber, das glaube ich ganz bewusst sagen zu dürfen, war nicht nur eine sehr kluge, sondern weit darüber hinaus, eine weise Frau!

Denke ich zurück an meine Mutter, die nun schon viele Jahre der kühle Rasen deckt, dann muss ich erkennen, dass sie das Herz auf dem rechten Fleck getragen hat. Ich muss aber auch gerade jetzt, wo die Erinnerung wieder die Tage der Kindheit heraufbeschworen hat, bekennen, dass sie es gewesen ist, die in uns Kindern die Liebe zur Heimat und zu allem Schönen geweckt und gefördert hat. Mutter versäumte nie, immer wieder auf die große Verantwortung hinzuweisen, die ein jeder Einzelne von uns letzten Endes trägt, gegenüber der Heimat und den Menschen neben uns.

Dafür, ja gerade dafür sei ihr noch heute, viele Jahre nach ihrem Tode, Dank gesagt!

Heinz-Bruno Krieger