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Es ist alles anders geworden

Die kleine Stadt Königslutter am Elm hat sich seit meinen Kinderjahren sehr verändert. Nicht nur die Menschen sind andere geworden, sondern auch die alten engen Gassen, die winkligen Straßen haben ihr Gesicht verloren.

Viele Häuser, in denen Jahrhunderte hindurch fleißige Bürger- und Brauergeschlechter gewohnt und gewirkt haben, sind Opfer der Spitzhacke geworden. Die alte, kleine Stadt, wie ich sie noch als kleiner Junge gekannt, hat sich weit, weit, nach allen Seiten ausgedehnt.

Ich weiß noch, wie der Pastorenkamp eine große, weite Ackerfläche war, über die ein Feldweg von der Bahnhofstraße zur Fallersleber Straße führte. Da stand noch ein altes einsames Grabmal, geziert mit einem großen, gusseisernen Kreuz. Es gab Kunde, dass hier vor langer Zeit der Friedhof der Stadt gewesen war. Nicht weit entfernt lag der große Pastorengarten, in den die Jungen so gerne über die Mauer hinein kletterten, um "bie Pasters Äppel tau klaun". Auf der großen Fläche, auf der sich heute die Roto-Werke befinden, lag der "Ulm" - eine Ackerbreite, auf der die Großeltern noch ein Stück Land gehabt hatten und die noch zu meiner Kindheit in lauter kleine Parzellen aufgeteilt und an kleine Leute verpachtet waren. Die hohen Franzosenpappeln an der Kämmereiplantage ragten weit in die Landschaft hinein, unvergessen in den Erinnerungen an jene ferne Zeit. -

Noch sehe ich die hellen Feuer auf den Feldern brennen, noch höre ich das Knistern des verbrennenden Kartoffelkrautes und schmecke die gebratenen Erdäpfel, wie sie knusprig und aufgebrochen aus der Glut des Feuers herausgezogen wurden. Ich sehe uns noch auf den Feldern des Stendeklees herumtollen und sehe die bunten Drachen hoch in die Lüfte steigen.

Es ist alles anders geworden. Heute stehen hier in der Landschaft zwischen der Plantage und den Fuhren, auf dem Stendeklee und am Lauinger Weg ganze, neue Straßenzüge, ganze Stadtteile, die vielen Menschen schon seit Jahren eine neue Heimat geworden sind.

Die Gedanken schweifen mit den Wolken.

Die Erinnerungen wecken Bilder - an ferne, weite Tage der Vergangenheit.

Heinz-Bruno Krieger