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Der Wegbegleiter im Wald

Da war ein Laubengang durch den wir schritten. Die Wipfel der seitlichen Bäume und Sträucher schlossen sich über unseren Häuptern zusammen und lichtdurchflutet reflexierte das helle Grün, schattendurchwoben in der Runde. -

Wir waren beide in Gedanken versunken, Der Weg kreuselte sich wie eine Schlange vor uns dahin. Die Stille des Waldes war dominierend. Wer war der Andere, mein Wegbegleiter? -

Er war plötzlich neben mir gewesen und sein kuttenartiges Gewand erinnerte an das Habit eines Mönches. Einfach, dunkelgehalten umschloss es die hagere Gestalt. Ewigkeit, Zeit, Welt und Gott, das waren unsere Gesprächsthemen, Zeit und Ewigkeit - Stille und Lärm.

Die Blicke eilen, verlieren sich im Blau des Himmels, der sich plötzlich aus dem lichten Meer der Grüne offenbart. Das verlangen nach der Ferne wird so stark, dass es einem fast körperlich anspringt.

Unsere Blicke gehen über ein Kornfeld hinweg. Regungslos steht die Frucht auf dem Halme. Wir bleiben stehen, fragen nach dem Sinn des Lebens. Ich höre von meinem Weggenossen die Worte:
"meine Gedanken sind nicht eure Gedanken...."

Wie ein Evangelium, verrinnend, verklingend. Der Andere ist plötzlich nicht mehr da - verschwunden, aufgelöst - eine Lerche steigt jubilierend in den Himmel...

Heinz-Bruno Krieger