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Unter den Eichen.

Unter den Eichen am Bergeshang.
Vor des Elmes lichter Schwelle,
Da führte einst seine Herde entlang
Ein lustiger Schäfergeselle.

Die Sonne lachte mit goldenem Strahl
Und die Lämmer lustig sprangen.
Die Finken und Drosseln überall
Den sonnigen Tag besangen.

Sogar die Schäferhunde beid,
Die wedelten mit dem Schwanze.
Ach schöne, prangende Sommerzeit,
Dir brech' ich eine Lanze!

Da lud gar traut zum Sitzen ein
Der grüne Rasenplatz;
Den Schatten spendet Felsengestein,
Da träumt man gut vom Schatz.

Wie mundet gut sein Vesperbrot
Dem Hirten mit Behagen;
Doch mit dem Trunke hat es Not,
Der Schäflein Blicke klagen.

Er legt den Strickstrumpf aus der Hand.
Und mit dem Hirtenstabe,
Da stochert in die Felsenwand
Der Schäfer ohne Frage.

Und wie er stochert hin und her
Löst sich ein großer Stein,
Der rollt und schlägt von ungefähr
Des Hirten Schädel ein.

Doch aus der Spalte gluckst und rinnt
Ein munter Wasserquell,
Der lachend in die Lüfte springt.
So rein und silberhell.

Es sucht das Wasser sich den Weg
Ins schöne weite Land,
Verläßt das waldige Geheg
Speist vieler Mühlen Gang.

Wenn aber nachts im Mondschein
Der Quelle Sprudel blitzen,
Dann taucht aus ihrem Felsgestein
Die schönste aller Nixen.

Sie plaudert dann von alter Zeit,
Scherzt mit den Bäumen allen,
Und zart ertönt voll süßem Leid
das Lied der Nachtigallen.

Heinz-Bruno Krieger