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Vom Singen der Glocken.

Wenn der Wind im Stifte die Türme umweht
und pfeift durch der Linden Wipfel,
eine Mutter ruhelos die Kirche umgeht
und weint in den Schürzenzipfel. -

Die Glocken schwingen ein uraltes Lied.
Sie zittern voll Wehmut und singen.
Die Mutter verzweifelt - zu den Glocken zieht,
horcht - wie sie schluchzen und klingen.

Für schnödes Geld verkaufte sie einst
ihr kleines, unschuldiges Kind. -
Und ob sie auch ruft und ob du auch weinst,
es antwortet nur der Wind ...

Ein Käuzchen ruft in die Nacht hinein,
verlorene Seelen zu locken ...
Über die Stiftskirche flutet der Mondenschein
und es singen voll Sehnsucht die Glocken.

Heinz-Bruno Krieger