Startseite -> Index

Der dreibeinige Hase in Emmerstedt

Einem Bauern in Emmerstedt wurden des Nachts immer die Kühe gemolken. Lange Zeit lag er auf der Lauer, kein Mensch konnte im Stall gewesen sein und trotzdem waren am ändern Morgen die Euter der Kühe leer. Alles Fluchen und Schimpfen half nichts, die vermeintliche böse Nachbarin war nicht zu erwischen.

Da wachte in der nächsten Nacht der Knecht des Bauern. Beim Vollmondscheine sah er, daß ein Hase auf den Hinterbeinen unter einer Kuh saß, und am Euter sog. Als er das seinem Herrn meldete, lachte dieser ihn zuerst aus, und meinte, er hätte wohl geträumt oder zu viel getrunken. Aber der Knecht blieb dabei.

Am Abend versteckte sich der Bauer und der Knecht, und wieder kam der Hase durch ein Loch in den Stall gekrochen. Dabei sahen beide, daß dem Hasen eine Vorderpfote fehlte. Der Knecht wollte Lärm machen und den Hasen verscheuchen, aber der Bauer hielt ihn zurück und meinte, den fangen wir uns in der nächsten Nacht. Gesagt, getan! In der nächsten Nacht wachte der Knecht wieder.

Als der Hase in den Stall gekrochen war, hielt er einen Drellsack vor das Loch in der Wand. Der Bauer machte nun im Stall Lärm und tat so, als ob er den dreibeinigen Hasen fangen wollte. Erschreckt nahm dieser Reißaus und saß im Sacke fest. Voller Wut und Zorn ergriff nun der Bauer einen Knüppel, mit dem er auf den Hasen im Sack einschlug. Aber je mehr er auf den Sack einschlug, je praller wurde der Sack und plötzlich hörte man ein menschliches Schreien und Klagen. Da öffnete man den Sack, und hervor kam ein altes Weib, aus der Nachbarschaft von der schon immer die Rede ging, daß sie eine alte Hexe sei. Sie hatte sich in einen dreibeinigen Hasen verwandelt und den Kühen die Milch ausgesogen.

Von Herbert Bodtke, Emmerstedt