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Wie Schoderstedt in die Erde versunken ist

Im Jahre des Herrn 1223 begab sich ein großes Erdbeben in Italia und längs des Rheins. Die alte Stadt Cöln ward sehr verheeret und rote, blutige Erde fiel zu Mainz aus den Wolken wie Regen. Am Himmel stand ein schrecklicher Comet, wie eine Ruthe, die die sündige Welt büßen und strafen sollte.

Da geschah bei dem Städtlein Königslutter, wo der großmächtige Kaiser Lotharius III.. vor hundert Jahren sein Grab sich selbst erbaut hat, daß am Freitage nach St. Veits, des Märtyrers Tag, ein so entsetzlich Blitzen und Donnern sich erhob, daß die Geistlichkeit im Kloster vom Morgen bis zur Nacht auf den Knien lag und man die Gebete um Mittag bei Lichtschein lesen mußte.

Die Erde schwankte dermaßen, daß die Knienden umfielen und die Glocken von selbst läuteten. Als aber die Nacht sich verzog und abends sechs Uhr die Sonne schien, da war das Dörflein Schoderstedt, so bei Königslutter gelegen, samt Mensch und Vieh untergegangen in die Erde und war an seiner Stätte ein tiefes, schwarzes Wasser. Es ist aber ein einziges, kleines Häuslein erhalten und stehen geblieben, darin war der Vater vor Schrecken todt und die Mutter sinnlos; die einzige Tochter aber ist nach Helmstedt ins St.-Annen-Kloster gegangen, Gott zu dienen ihr Leben lang.

Ist aber die Summe der dahingegangenen Seelen gewesen dreihundertundsiebzehn ohne die Kinder. Denen alle Gott genade! 1245, am Tage St. Jacobi, erhob sich ein gar arger Sturm, so daß er das Dach an unserer Kirchen arg beschädigt und Wagen und Vieh umgeworfen.

Zur Quedlinburg sind Steine vom Himmel gefallen, die stanken wie höllischer Schwefel und zog bei Nacht ein leuchtend Feuer wie der Drache selbst durch den Elm. Der tiefe See, in dem vor Jahren das Dorf Schoderstedt versunken ist, ist gar verschwunden und an seiner Stelle viel weißer Sand aus der Tiefe gequollen! Domine miserare nobis!

Vgl. Görges-Spehr, Vaterländische Geschichten etc.