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Der tolle Herr von Weferlingen

Der alte Schafmeister Ribbe in Warle hat vor nunmehr bald achtzig Jahren, folgendes erzählt:
Auf dem Rittergute zu Gr. Vahlberg lebte früher ein Herr, den die Leute den tollen Weferlingen nannten und auch heute noch so heißen.

Er hatte nur ein kleines Gut, aber er war ein Bösewicht, der die Leute einzuschüchtern verstand, daß sie ihm ihre Dienste leisten mußten, mehr als sie von altersher zu tun verpflichtet waren.

Nur ein Bauer mit Namen Lohl, hat sich nicht gebeugt. An einem Sonntagnachmittag bestellte der Graf alle Leute aus Gr. Vahlberg auf seinen Hof und befahl ihnen, sich vor seinen Fenstern im Halbkreis aufzustellen.

Dem mittelsten Manne warf er einen feinen Harzgulden zu mit der Weisung, denselben in die Höhe zu halten. Die Leute wußten aber die Bedeutung alles dessen nicht, sonst wären sie ja wohl alle flüchtig geworden.

Der tolle Weferlingen aber nahm unbeachtet ein geladenes Gewehr, trat etwas ins Zimmer zurück und schoß dem mittelsten Manne das Goldstück stracks aus der Hand.

Dann rief er den Leuten zu, weiter wolle er nichts, nun sollten sie machen, daß sie wieder nach Hause kämen, den Harzgulden könnten sie sich aufsuchen. Die Vahlberger aber machten, daß sie vom Hofe kamen.

Theodor Voges, Sagen a. a. O. S. 292