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Von den Gefängnissen der Mönche

Zu den Gerechtsamen des Klosters Königslutter gehörte in alten Zeiten auch die eigene Gerichtsbarkeit.

Vor Jahren soll in dem jetzigen Jugendheim über der Sakristei In der Stiftskirche ein schwerer Holzblock eingelassen gewesen sein, an dem sich mehrere eiserne Ringe befunden haben. Missetäter, die sich etwas zuschulden kommen lassen hatten, wurden an diesen Klotz angekettet und sollen hier ihre Strafe verbüßt haben.

Auch wußten die Alten noch von einem anderen Gefängnis, welches sich im Innern der Stiftskirche befunden haben soll, zu erzählen. Es war dieses der Raum, in dem jetzt die Orgel steht.

Vor der Instandsetzung der Kirche im vorigen Jahrhundert war dieser Platz gegen das Kirchenschiff hin abgeschlossen. Hier waren seltsame Bilder von Menschen und Tieren in den Putz der Wand gekratzt.

Man sagte auch, daß im 30jährigen Kriege einst fremde Söldner plündernd in die Kirche gekommen seien. Sie erklommen den Turm, um das von den Einwohnern des Stiftes auf den Kirchenboden versteckte Vieh zu rauben und fortzutreiben.

Wie die Soldaten nun voll Neugierde diesen Raum betreten haben, machte sich plötzlich ein Wind auf, der die schwere, eichene Tür zuschlug. Nun saßen die Räuber fest, und waren auf Gnade oder Ungnade den Leuten im Stifte ausgeliefert.

Damals, in jenen Tagen, sollen die Soldaten diese Bilder in die Wand gekratzt haben. Es haben sich auch einmal Diebe in den Dom geschlichen, um von dem Dache des Turmes Blei zu stehlen.

Sie wollten davon Falschgeld machen. Man hat sie jedoch überrascht, in das Gefängnis gesperrt, und später ihrer gerechten Strafe zugeführt.

Von Kantor Adolf Lüders, Königslutter