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Das verschwundene Bäckermädchen

In Oberlutter, in der Bäckerei, die an der Ecke zur Driebe lag, diente vor vielen Jahren einmal eine Jungfer.

Diese mußte nun des Morgens früh immer Brötchen ins Kloster tragen. Nun trug es sich zu, daß sie auch eines Tages wieder durch die Stiftskirche, die ja damals noch Tag und Nacht geöffnet war, ins Stift gehen wollte.

Vergebens wartete man dann auf die Rückkehr der Jungfer, aber sie ist nicht wieder zurück gekommen. Es war da aber ein fremder Handwerksbursche, der des Abends spät keine Unterkunft mehr in den Herbergen gefunden hatte. Er hatte sich aus diesem Grunde ein Ruheplätzchen in einer Kirchenbank gesucht.

Wie es nun des Morgensfrüh gerade hell geworden war, wurde der Handwerksbursche plötzlich durch ein Geräusch geweckt. Er sah, wie das Bäckermädchen die Stiftskirche betreten hatte und daraufhin einige unheimliche Kerle hinter den Steinsäulen hervorgeschlichen kamen, und das Mädchen schnappten.

So sehr es sich aber auch gewehrt und aufgebäumt hat; es hat der Jungfer nichts genützt. Die bösen Kerle haben das Mädchen darauf in die kleine Kapelle geschleppt und in das tiefe Verließ hineingeworfen.

Aus Angst, daß ihm das Gleiche geschehen könnte, schwieg der Handwerksbursche still und hat sich nicht bemerkbar gemacht.

Später, nach vielen Jahren, hat er als alter Meister, oft mit zitternder Stimme erzählt, wie ihm damals vor Angst die Knie gezittert hätten. Das Mädchen aber soll insgeheim ein Räuberliebchen gewesen sein.

Da es von dem bösen Diebesgesindel aber zuviel gewußt hat, mußte es auf so grausame Art verschwinden.

Von Maurerpolier Fricke und Altvater Baumbach, Königslutter