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Der Schatz im Klosterturm zu Schöningen

Über die Stadt Schöningen schaut die alte Kirche des ehemaligen Laurentii-Klosters mit ihren zwei Türmen weit hinaus in die Gegend. Vor vielen, vielen Jahren spielten auf dem Kirchhofe mehrere Kinder Puffball.

Dabei flog der Ball vom Sohne des Küsters in ein schmales Luftloch hoch am Turm der Kirche. Der Knabe wollte seinen schönen Ball nicht missen, weinte und jammerte sehr und beruhigte sich nicht eher, bis sein Vater die höchste Leiter, die er auffinden konnte, ansetzte, um den Ball wieder herbeizuschaffen.

Der Küster stieg empor und schaute durch das Loch. Bald stieg er wieder herunter und sagte:
"Der Ball ist nicht zu erblicken. Gib dich nur zufrieden; ich will dir für den verlorengegangenen sechs neue kaufen!"

Nach Verlauf einiger Zeit gab der Küster sein Amt in Schöningen auf und zog mit seiner Familie von dannen; man wußte nicht wohin. Wiederum nach einigen Jahren sollte am schadhaften Kirchendache etwas ausgebessert werden, weshalb die Maurer auf den Kirchenboden steigen mußten.

Da fanden sie in die Turmmauer ein Loch eingebrochen, so groß, daß jemand eben hindurch kriechen konnte. Als auch sie hindurch krochen, kamen sie in eine kleine Kammer, die nur durch jene Öffnung, wo hinein einst der Ball geflogen war, Licht erhielt.

Sie fanden dort eine mit Gewalt aufgesprengte, leere Kiste.

Von Karl Rose, Schöningen