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Pastor Johannes Spring von Scheppau

In Scheppau, hinterm Rieseberge, lebte vor Jahren ein Pastor, der hieß Johannes Spring. Die Bauern von Scheppau und Rieseberg und Rotenkamp nannte er nicht anders als "miene Schape" [meine Schafe] .

Kam nun von Scheppau jemand in ein anderes Dorf, so hieß es gleich "Johannes von Scheppau, wo haste denn diene Schape?" Das habe ich in meiner Jugend noch oft gehört, aber die Alten sind nun gestorben und dieses Wort ist somit in Vergessenheit gekommen.

Früher war in dem Mauerwerk der Kirche, gerade über dem Bogen in der Mitte, ein Loch. Da fragte ich unseren Pastor einmal, woher dieses Loch käme. Er sagte, das habe der Pastor Johannes da hinein geschossen.

Der habe, wenn er auf der Kanzel gestanden, immer eine Pistole bei sich gehabt. Eines Sonntags kam Johannes in seiner Predigt auch auf die Kleidung zu sprechen, und rief:
"Ich habe Hosen von Leder, die halten wie Donner und Blitz, die hat mein Großvater schon getragen und ich trage sie auch noch. Ihr habt Hosen von Linnen, dadurch glaubt ihr zu gewinnen."

Und in seinem Eifer hat er dann von der Kanzel gegen die Mauer geschossen. Eines Sonntagsnachmittags sprach er in der Kinderlehre vom Paradiese und fragte einen Scheppauer Jungen:
"Wer war Adam"?
Der Junge antwortete hierauf: "Adam hat usen Junker sien Hund e'heiten". [Adam hat unserem Junker sein Hund geheißen]

Darüber verzogen die anderen den Mund. "Süh", sagte Pastor Johannes, "ower düsse Dummheit lachet sülwest dä langhaarigen Roenkämper dahinne!" [über diese Dummheit lachen selbst die langhaarigen Rotenkämper]

Th. Voges, Sagen, a.a.O. S. 312, erzählt von dem alten Göcke, Scheppau