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Von' dullen Papen ut Scheppau[Vom tollen Popen aus Scheppau]

Dä Roenkämper un dä Scheppauer können sick gut mit öhren Paster verdragen. Dat kaim awer daher, dat hai se immer vonne Kanzel düchtig awwekanzelt hat.

Einen Sonndag sejje hai tau se:
"Ihr krummen Scheppauer, jü langhaarigen Roenkämper, seelig will ick jüch hewwen, an einen Strick will ick jüch bin'n un in' Himmel will ick jüch trecken, wenn awer dä Strick zerritt, so hahl jüch alle dä Düwel"!

Dat wollen sick awer dä Scheppauer nich jefallen laten, un het dat an' Hertog e'schrewen. Dä Hertog von Bronswiek wolle nu den Pastor oppe Täne feulen, op hei woll gut preddigen könne.

Hei hat ne na Bronswiek kommen laten, um tau Probe tau preddigen. Dä Pastor wolle nu von Hertog ein Thema hem' wo hei na preddigen scholle. Dä Hertog hat ne awer e'sejt, dat Thema kreje hei erst kort vorr dä Kerke.

Det morjens lure nu dä Paster op dat Thema. Et slaich Klocke sebbene, et slaich Klocke achte, et slaich Klocke negene. Dä Klocken fungen tau lüen an - un dat Thema keim immer noch nich.

Da gung dä Paster inne Kirche rinner un wie hei oppe Kanzel will, da gift öhne dä Küster dat Thema von'n Hertog.

Als hai nu oppe Kanzel steiht, un oppe erste Siete nist, oppe tweite Siete nist, un oppe dridden Siete ok nist steiht, da dreihe dä Paster dat Blatt nochmals umme, un sejje luut:
"Hier ist nist, un da ist nist un opper annern Siete is ok noch nist. Ut nist hat use leiwe Herrgott dä Welt e'maket", un von dat Thema hat hai denne dä ganze Preddigt e'holen.

Da hat dänne dä Hertog tau dä Scheppauer e'seggt, se sollen man ja froh sien, dat se saunen gun Paster härren.

[Die Rotenkämper und die Scheppauer können sich gut mit ihrem Pastor vertragen. Das kommt aber daher, dass er sie immer von der Kanzel tüchtig abgekanzelt hat.

Einen Sonntag sagt er zu ihnen:
"Ihr krummen Scheppauer, ihr langhaarigen Rotenkämper, seelig will ich euch haben, an einem Strick will ich euch binden und in den Himmel will ich euch ziehen, wenn aber der Strick zerreißt, so hol euch alle der Teufel!"

Das wollten sich aber die Scheppauer nicht gefallen lassen, und haben dann an den Herzog geschrieben. Der Herzog von Braunschweig wollte nun dem Pastor auf die Zähne fühlen, ob er wohl gut predigen könne.

Er hat ihn nach Braunschweig kommen lassen, um zur Probe zu predigen. Der Pastor wollte nun vom Herzog ein Thema haben, wonach er predigen solle. Der Herzog hat ihm aber gesagt, das Thema bekommt er erst kurz vor der Kirche.

Des Morgens wartet nun der Pastor auf das Thema. Es schlägt sieben Uhr, es schlägt acht Uhr, es schlägt neun Uhr. Die Glocken fangen zu läuten an - und das Thema kommt immer noch nicht.



Da ging der Pastor in die Kirche hinein und wie er auf die Kanzel will, da gibt ihm der Küster das Thema vom Herzog.

Als er nun auf der Kanzel steht und auf der ersten Seite nichts, auf der zweiten nichts und auf der dritten Seite auch nichts steht, da dreht der Pastor das Blatt noch mal um und sagt laut:
"Hier ist nichts, und da ist nichts und auf der anderen Seite ist auch noch nichts. Aus nichts hat unser lieber Herrgott die Welt gemacht", und aus diesem Thema hat er dann die ganze Predigt geholt.

Da hat dann der Herzog zu den Scheppauern gesagt, sie sollen man ja froh sein, dass sie so einen guten Pastor haben.]

Von Frau Anna Niemann, Scheppau