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Schatzgräber im Elm

Es sind vor Jahren einmal Leute des Nachts in den Elm gegangen, um einen vergrabenen Schatz zu heben, der beim Solhorst oder bei der Kuckucksbuche, wie man die Stelle auch nennt, vergraben sein sollte.

Wie sie nun an die Stelle kommen, an der der Schatz ruhen sollte, macht der Eine einen Kreis, und stillschweigend graben sie nun in diesem ein tiefes Loch.

Auf einmal stoßen die Leute mit ihren Spaten auf einen harten Deckel. Man gräbt weiter, und als man endlich die große Kiste freigelegt hat, machen die Männer ein dickes Seil um diese herum und ziehen sie nun hoch.

Da hört der eine Mann plötzlich, wie eine Stimme hinter ihm ruft:
"Krischan, nu hewwe ick dick endlich e' funnen, du Swienehund, - dat Mäken sitten tau laten, un hier in' Holte rummer tau trecken un sparenzien tau driewen!"
[Krischan, nun habe ich dich endlich gefunden, du Schweinehund, - das Mädchen sitzen zu lassen, und hier im Holze herumzuziehen und Spirenzien zu treiben!]

Erschrocken fährt der Mann herum, denn er hatte die Stimme seiner verstorbenen Schwiegermutter erkannt. Da sieht er diese hinter sich stehen. Sie hat ein ganz rotes Kleid an und schwingt einen Besen über seinen Kopf.

Außer sich vor Angst vergißt der Mann, daß er nicht sprechen darf. Er läßt das Seil los und will den vermeindlichen Schlag mit dem Besen abwehren und ruft:
"Ick lope ja hille taurüjje, et is ja nist passiert!"

Da saust die Schatzkiste in die Tiefe zurück und das ganze lose Geröll saust wie von Geisterhand geführt hinterher. Der Schatz war verschwunden.

Die alte Hexe war ein "Düwelsspauk" gewesen, der die Schatzgräber narren sollte. Hätte der Mann seine Ohren mit Watte verstopft, so wie die anderen Männer es getan hatten, so wäre der Spuk ungehört an ihm vorübergegangen.

So aber hatte er seine Kameraden und sich um den schon fast gehobenen Schatz gebracht. Man hat ihn obendrein noch tüchtig verprügelt und fortan nicht mehr mit ihm gesprochen.

Vom alten Holzschläger Holste, Oberlutter