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Der Wilddieb Beckmann

Vor vielen Jahren hat in Oberlutter ein Mann namens Beckmann gelebt, von dem die Leute erzählt haben, er sei ein unehelicher Sohn des Räuberhauptmanns Rose gewesen.

Er hat im Oberlutterschen Armenhause auf dem Steinfelde gewohnt, war aber meistens unterwegs in Feld und Wald. Sein Jagdrevier war im Dorm, wo er auch eine Bude gehabt hat, in der er oft Tage und Wochen lang gelebt hat.

Die Leute wußten von ihm zu sagen, daß er ein leidenschaftlicher Wilddieb gewesen sei, dem kein Wild zu schnell und kein Ziel entgangen sei.

Oft hat er armen Menschen einen Hochzeits- oder Sonntagsbraten ins Haus gelegt, und selten nur ist man ihm auf seinen Pirsch- und Jagdzügen begegnet.

Als man aber wieder einmal im Dorme das Knallen gehört hat, ist einer aus Groß Steinum zu den Gendarmen gelaufen und hat den Wilddieb Beckmann verraten. Da haben sie ihn umzingelt in seiner Bude - andere sagen auch in einer Höhle - und gefangen genommen.

Wie er nun durch Groß Steinum geführt wurde, haben alle Leute an den Straßen gestanden, um den Wilddieb zu sehen. Eine Frau, der er früher oft geholfen hatte, gab ihm noch ein Franzbrot auf die Faust, das hat er dann gleich aufgegessen und ist damit durchs Dorf gegangen.

Nach Jahren, als man ihn in Wolfenbüttel aus dem Gefängnis entlassen hat, ist er bald darauf gestorben.

In seinem Testament soll er alles Geld, was er hinterlassen hat, den Armen vermacht haben.

Von Rudolf Heiser und Abdecker Friedrich Strebe, Königslutter