Startseite -> Index

Vom großen Brand in Schöningen

Über das Entstehen des großen Feuers am 30. Juli 1644, das fast die gesamte Stadt Schöningen einäscherte, berichtet die Sage, die man bei ihrer Aufzeichnung durch den Stadtschreiber Viebing um 1650 noch für Wahrheit hielt, folgendes:

Man gab dazumal die Schuld einem Karrenführer namens Jürgen Speckhals und seinem Weibe, in deren Hause das Feuer entstanden. Besagtes Weib hatte wegen ihrer freien Rede bei ihrem Manne wenig Glauben und viel Unwillen, und hielt sie der Mann so hart, daß, wenn er mittags und abends mit seinen Pferden und Karren vor das Haus kam und mit der Peitsche knallte, das Essen bereit sein und die Frau die Pferde ausspannen mußte, wollte sie nicht die Peitsche kosten.

Es hatte aber in dieser unglückseligen Stunde (30. Juli 1644) das Weib Speck auf dem Feuer, dem Manne einen Eierkuchen zu backen. Dasselbe lasset sie bei der Vermerkung ihres Mannes Ankunft stehen und läuft nach dem Pferde, findet aber bei ihrer Rückkunft den Speck brennen, und, da sie Wasser zugießt, selbiges zu löschen, fährt die Glut oben ins Haus und zündet es an.

So wurde damals und lange nachher geglaubt, und mußte auch dieserwegen das Paar volksflüchtig werden und alles im Stich lassen.

Erst etwa 40 Jahre später wurde die wahre Entstehungsursache des Feuers bekannt.

Von Karl Rose, Schöningen