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Eine Schreckenstat in Oberlutter

Im alten Dorfkruge "Zum wilden Mann" in Oberlutter war in der französischen Zeit, so um 1806 oder 1807 herum, eines Abends spät ein Fremder eingekehrt.

An seiner Sprache merkte man bald, daß er von jenseits des Rheines stammen mochte. Der Fremde bat um ein Nachtquartier, und nachdem er reichlich gegessen und auch dem guten Ducksteinbier, das hier ausgeschenkt wurde, zugesagt hatte, suchte er bald darauf seine Kammer auf, um sich zur Ruhe zu begeben.

Der Wirt hatte wohl bemerkt, wie reich genährt die Geldkatze des Gastes war; auch die Taschen und Koffer des Mannes mochten noch mehr der blanken Dukaten und Louisdors bergen. Die Zeiten waren schwer, und die Trommeln des Krieges dröhnten Tag und Nacht durch die deutschen Lande.

"Geld, Gold, Reichtum und Glück - was waren das für große Schätze" dachte der Wirt in seinem Hirn. Es hat den Krüger nicht losgelassen.

Es war eine dunkle und unheimliche Nacht. Die Familie des Krügers ist reich geworden, sehr reich. Aber glücklich nicht. Im Garten hinter dem Kruge "Zum wilden Mann", hart an der Grenze zum Spönekok'schen Grundstück, hat man den Fremden verscharrt.

Oft haben die Leute später hier des Nachts eine Gestalt stehen sehen, die in die Ferne schaute, wo Weib und Kind vergebens seiner harrten.

Von Frl. Sophie Fricke, Königslutter