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Mord in Ampleben

Vor vielen Jahren war in Ampleben des Nachts in dem Hause des Bauern Markmann, das heute dem Bauern Lindenberg gehört, ein Feuer ausgebrochen. Hell loderten die Flammen aus den oberen Stockwerken heraus, als die Feuerwehr herbei eilte, um das Feuer zu löschen.

In dem Hause aber wohnte oben die Tochter des alten Lehrers Wurst mit ihrer Tochter, und gerade hier schlugen die Flammen besonders lodernd heraus. Ein beherzter Feuerwehrmann der gut klettern konnte, stieg mit einer Leiter in das offenstehende Kammerfenster, um von dort aus an den Brandherd besser heran zu kommen und hier zu löschen.

Die Leute im Dorfe waren aber in dem Glauben, daß Fräulein Wurst mit ihrer Tochter verreist sei und gar nicht im Dorfe wäre. Umso bestürzter aber war man, als der Feuerwehrmann dieses Fräulein mit ihrer Tochter tot im Bette fand. Die Leichen waren schon sehr verbrannt, und es stellte sich noch heraus, daß unter dem Bette eine Lampe gestanden hatte, die dazu ausersehen war, die beiden ermordeten Frauen zu verbrennen.

Da war nun im Dorfe Ampleben große Empörung. Man suchte überall nach dem Mörder. Viele Leute im Dorfe zeigten aber heimlich auf einen Schuster, der im Dorfe wohnte, und von dem bekannt war, daß er einen liederlichen Lebenswandel führe und immer wenig Geld und viele Schulden habe.

Aber dieser Schuster leugnete sehr, und man konnte ihm auch nichts nachweisen. Doch die Sonne bringt es an den Tag! Der Schuster hatte nämlich in dem nahen Schöppenstedt eine alte Schuld stehen, die er nun plötzlich mit alten, braunschweigischen Speziestalern bezahlte.

Diese Speziestaler waren aber zu dieser Zeit schon sehr selten. Man wußte aber im Dorfe, daß das Fräulein Wurst von ihrem Vater her noch eine Menge solcher Taler in ihrem Besitz gehabt hatte, die aber bei der Durchsicht der geretteten Hinterlassenschaft nicht gefunden worden waren.

Nach heftigem Leugnen, wurde der Mörder so doch noch seiner gerechten Strafe zugeführt. In Wolfenbüttel ist er dann hingerichtet worden.

In den Dörfern am Elm aber erzählt man noch bis auf den heutigen Tag, daß in stürmischen, dunklen Nächten, der Schuster durch die Gassen des Dorfes streift, und seine Seele im Grabe keine Ruhe haben soll.

Von Wegewärter Friedrich Gold, Ampleben