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Spuk auf Paitersbrunnen

Wir wohnten auf Paitersbrunnen, es muß so um 1890 gewesen sein. Es war an einem Osterabend, so gegen zehn Uhr. Alle Großen waren zum Osterfeuer gewesen und unsere Eltern hatten uns nun zu Bett gebracht.

Vater und Mutter gingen dann nach der Familie nebenan, um dort noch etwas zu verweilen. Plötzlich hörten wir Kinder, wie nebenan unsere Stubentür aufgeht.

Mehrere Personen gehen laut in unserer Stube hin und her. Laute Schritte poltern uns aus dem Nebenzimmer entgegen. Wir Kinder sind ganz starr vor Schrecken.

Ganz deutlich hören wir, wie man unsere große, schwere Truhe herausschleppt und draußen auf den Hof stellt. Wir hören, wie die ganze Wohnung ausgeräumt wird, und wie der Kinderwagen von unserem kleinen Bruder, der in der Stube steht, auch nach draußen rausgeschoben wird.

Mein Bruder Heinrich und meine Schwester sind ganz dicht an mich heran in mein Bett gekrochen. Keiner sagt vor Schrecken ein Wort und doch bewegt uns alle die eine Frage: "Was geht nebenan vor sich?"

Nach einer geraumen Zeit kommen unsere Eltern von den Nachbarn zurück, um nach uns Kindern zu sehen. Wir sind alle hellwach und kreideweiß im Gesicht. Wie ich nun durch die offene Tür in die Stube hineinsehe, stehen alle Möbel an ihrem Platz.

Es hat sich nichts verändert im Zimmer und doch haben wir alle ganz genau gehört, daß man vor wenigen Minuten das ganze Zimmer ausgeräumt hatte.

Kurz danach sterben plötzlich in unserer Familie drei kleine Kinder im Abstand von je vier Wochen. Vater und Mutter sind völlig ratlos und sagen, wenn wir nicht sofort hier ausziehen, sterben noch alle unsere Kinder und wir mit ihnen.

Wenige Tage später ziehen wir aus Paitersbrunnen aus. Es ist alles genau so, wie wir es in der Osternacht gehört haben.

Genauso wird die große, schwere Truhe über den Boden geschurrt und genau an derselben Stelle niedergesetzt, wie wir es gehört haben. Der Kinderwagen wird daneben gefahren, wie wir es in jener unheimlichen Nacht schon einmal erlebt hatten.

Von Ida Kühne geb.Bötel und Landwirt Heinrich Botel, Königslutter