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Liebe und Treue über den Tod hinaus


Das Haus in der Neuen Strasse Nr. Ass. 141 Auf der Neuen Straße in Königslutter liegt neben dem Gasthofe "Zur guten Quelle" linker Hand ein Grundstück Nr. Ass. 141. Dieses Haus, das jetzt in städtischem Besitz ist, war vor Jahren ein großer Ackerhof, auf dem die Braugerechtsame lag. Die Besitzer dieses alten Hofes waren vermögende Leute.

Von diesem Hause geht die Sage, daß es in alten Zeiten einem reichen Brauer gehörte, der nur einen Sohn hatte. Der sollte einmal Haus und Hof übernehmen.

Als nun der Sohn eines Tages vor seinen Vater trat und diesem sagte, daß er ein Mädchen lieben würde, welches aber nicht reich und armer Leute Kind sei, schlug der Brauer seinen Sohn vor Wut und Enttäuschung ins Gesicht.

Er verbot seinem Sohn und Erben noch, jemals wieder ein Wort von diesem Mädchen in seiner Gegenwart zu sagen, da er es niemals dulden würde, daß er in das große und reiche Haus ein armes Mädchen bringen würde. Übrigens habe er schon eine Schwiegertochter für sich ausgesucht!

Der so gedemütigte Sohn war darob sehr enttäuscht. Er wollte fortan nichts mehr essen und trinken und ward zusehends weniger. Nach einigen Tagen legte er sich nieder und verstarb plötzlich und unerwartet zum größten Herzeleid seiner Eltern.

Wie nun der tote Jüngling auf der großen Däle des Hauses aufgebahrt im schweren eichenen Sarge lag, und man ihm seine besten Kleider angezogen hatte, sah er aus, als schliefe hier ein junger Bräutigam.

Am anderen Tage sollte die Beerdigung sein. Des Morgens, wie ein Knecht früh auf die Däle kommt, will er noch einmal in aller Stille seinen toten, jungen Herrn sehen. Er hebt den Deckel des Sarges hoch und findet voller Schreck den Sarg leer.

Alles Suchen und Nachforschen nach dem Verstorbenen hat den Eltern nichts genützt. Der Jüngling blieb für alle Zeit verschwunden. Das junge, arme Mädchen aber, das er so innig geliebt hatte, war ebenfalls aus ihrer Eltern Haus spurlos fortgegangen.

In diesem Hause soll es auch früher oft gespukt haben. Hier hat später einmal eine Familie gewohnt, die erlebte, daß es des Nachts gegen die Tür geklopft hat, ohne daß jemand zu sehen war.

Es soll dieses aber meistens ein Zeichen gewesen sein, daß wenige Tage später ein Todesfall im Hause eintrat.

Von Ernst Mispelhorn, Königslutter