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Gegen Sperlinge im Weizen

In Dettum hatte ein Bauer dicht vor dem Dorfe einen Acker, der mit Weizen bestellt war. Die Frucht war gut geraten, die Halme trugen volle Ähren und senkten sich.

Da fielen die Sperlinge ins Feld, die fraßen und fraßen, bis die Halme pfahlrecht standen. Darob ärgerte sich der Bauer, ging verdrießlich umher und dachte darüber nach, wie er dem Schaden Einhalt gebiete.

Zuletzt wandte er folgendes Mittel an:

Dahinten in der Mühle hatte sich der Bruder des Besitzers erhängt. Er wurde in einer Ecke des Kirchhofes in aller Stille verkehrt eingegraben, nämlich mit dem Kopfe nach Norden.

Am Abend dieses Tages, um 11 Uhr, ging der Bauer, wie ihm geraten war, stillschweigend nach dem Grabhügel des Erhängten und holte sich dort einen Beutel voll frischer Erde.

Damit ging er um seinen Acker herum und streute sie aus, denn hierdurch, so war ihm verheißen, würde dem verderblichen Fraße der Sperlinge Einhalt getan werden.

Es hat aber nichts geholfen; die Spatzen haben das übrige auch noch gefressen.

Th. Voges, Sagen, a. a. O., S. 324