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Liekenwater

Wenn einer stirbt, muß man sich vorsehen, daß kein Unbefugter Leichenwasser holt. Es geht der Glaube, daß mit dem Wasser, mit dem man die Toten wäscht, viel Hexerei und Unheil getrieben werden kann.

Eine Frau in Königslutter hatte eine Tochter, die einen jungen Mann liebte. Da nun aber auch ein anderes junges Mädchen hinter diesem Menschen her war, hat die Frau, die mit solchen Dingen Bescheid wußte, Leichenwasser genommen und dieses heimlich über der Nebenbuhlerin ihren Trittstein gegossen.

Der Vater von diesem Mädchen aber, der es besonders gerne gesehen, wenn seine Tochter den jungen Menschen geehelicht hätte, ist bald danach plötzlich und unerwartet verstorben.

Böse Weiber kommen oft in ein Trauerhaus und wollen den Verstorbenen noch einmal sehen. Zeigt man ihnen dann die Leiche, so streichen sie mit der Hand noch einmal über des Toten Hand oder Gesicht.

In der Hand haben sie dann dabei meistens einen nassen Lappen oder Schwamm, den sie später zuhause in einer Schüssel auswaschen. So haben sie das begehrte "Liekenwater", mit dem sie "Hexerie und Düwelsspäuk" anrichten können.

Von Frau Anna Mispelhorn geb. Schrader, Königslutter