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Spuk in der Silvesternacht

Mein Vater, der alte Fritze Jakobi in Oberlutter, hatte auf dem Driebenberge - so um 1885 herum - ein Stück Land, auf dem ein alter, dicker Birnbaum stand.

Wie nun dieser Baum so gar keine rechten Früchte tragen wollte, riet man, er solle in der Silvesternacht um zwölfe auf dem Friedhofe über einen Kreuzweg gehen. Dann sollte mein Vater stillschweigend zu dem Birnbaum eilen, um in den Stamm ein Kreuz zu schneiden.

Als nun mein Vater diesem Rate folgt und in der Silvesternacht über den Kreuzweg geht, steht da plötzlich ein Kerl vor ihm, mit einem Gewehr in der Hand, der auf seine Brust zielt.

Es war aber meinem Vater schon vorher geraten worden, immer zu schweigen, was ihm auch begegnen würde. Meinem Vater wurde es heiß und kalt. Er zitterte am ganzen Leibe, aber er ist doch stillschweigend weitergegangen.

Später, als er dann endlich nach Hause kam, war er weiß wie Kalk. Er zitterte am ganzen Körper und hat sich sofort hingelegt und nichts mehr gesagt.

Erst viel später hat er uns von diesem Erlebnis erzählt und gesagt, daß er sich niemals wieder in seinem Leben auf so etwas einlassen würde.

Der Birnbaum aber hat seitdem noch viele Jahre hindurch gute Früchte getragen.

Von Bauer Ernst Jakobi, Königslutter