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Vom alten Halsgericht in Lelm

In Lelm befand sich an einem Wirtshause ein sogenanntes Halseisen. In alten Zeiten ist auch das Landgericht hier am Orte gehalten worden, zu welchem sich der dazu verordnete Commissarius hier einfand.

Lelm hatte auch noch die Wachtfreiheit bei den Delinquenten, die in gefängliche Haft gebracht sind. Diese Rechte wollten ihnen zwar die benachbarten Amtsortschaften durch Processe streitig machen, doch ohne Erfolg.

Ungefähr 10 Minuten gegen Mitternacht (= Norden) befand sich vom Orte die Dingstidde. Vor der Landesvermessung (1756) und dem Umpflügen derselben, ist sie ein viereckiger Platz gewesen, von ohngefähr noch 30 Fuß Länge und Breite. Sie war die Stätte, wo Capitalsachen, die Leib und Leben betrafen, hingehörten.

Auch wurden hier die Blut- und Halsgerichte an Menschen verübt, die ihr Leben verwirkt hatten. Unsere Dingstidde war noch aus vorchristlicher Zeit und blieb dann aber noch lange Zeit der Gerichtsort, wo die Delinquenten hingerichtet wurden.

Diese Nachricht ist durch mündliche Tradition erhalten (1778). Es wissen alte Leute noch aus den Erzählungen ihrer Vorfahren, daß auf dieser Stätte ehemals eine Kindesmörderin sey hingerichtet worden.

Auch soll hier eine Weibesperson als Hexe verbrannt sein. Die Alten wissen noch, was für eine Menge Holzes auf diese Stätte gefahren sey zu dem Holzstoß, darauf diese Unglückliche ein Opfer des Feuers geworden.

Auf dieser Stätte soll es ehedem auch sehr gespuket haben. Seitdem aber dieser Platz zum Acker gemessen und umgepflüget, hat sich dieses wohl verloren.

Von Pastor Christian Dünnhaupt in Lelm 1778 berichtet