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Vadder Isensee un sien Fründ Dorenbusch [Vater Isensee und sein Freund Dorenbusch]

In Lutter lewete fräuer en Bäckermester, dä "Vadder Isensee" heiten dä. Hai was en düchtigen Kerel, un harre oppe Nienstrate ne Bäckerie.

Vadder Isensee was sau düchtig, datte sick an'n Kauhdore en grotet Hus köpe, un hier ne grote Landwirtschaft führe. Hai harre nur einen groten Fehler, hai harre immer saunen groten Hunger. Watne unner dä Finger kämm, at hai rump un stump op.

Sien Fründ, dä ole Dorenbusch, was en' groten Jäger. Einmal harre twei Hasen e'schoten un brocht dä na Vadder hen. Dä lat dä Hasen, datau noch en groten Rehrüggen, taurechte maken.

Dann harre hai noch ne grote Slagwost von veier Pund datau, un dat hat Vadder Isensee allet runner e'putzet.

Datau supe fief Liter Bidderbeier, un keeke, op nich noch wat da wörre, watte opfreeten künne. Dä Fru von olen Vadder Isensee was ne grote Lange. Sei was en groten Geizkragen.
"Vadder, Vadder", meine sei, "du frißt us noch dä Haare von' Koppe, un makest us noch bankrott!"

Awer Vadder Isensee leite sick nich irrig maken. Hai fräte un supe düchtig wieder, sau lange, bette sienen Hinnersten tau e'kneppen harre.

Seitdem sejjet dä Lüe an Elm, wenn einer veel fritt: "Na, du bist woll bie'n olen Vadder Isensee inne Lehre e'west?"

[In Lutter lebte früher ein Bäckermeister, der "Vater Isensee" hieß. Er war ein tüchtiger Kerl und hatte auf der Neuenstraße eine Bäckerei.

Vater Isensee war so tüchtig, dass er sich am Kuhtor ein großes Haus kaufte und hier eine große Landwirtschaft führte. Er hatte nur einen großen Fehler, er hatte immer so einen großen Hunge. Was ihm unter die Finger kam, aß er "rump und stump" auf.

Sein Freund, der alte Dorenbusch, war ein großer Jäger. Einmal hatte er zwei Hasen geschossen und brachte sie zum "Vater" hin. Der lässt die Hasen, dazu noch einen großen Rehrücken, zurecht machen.

Dann hatte er noch eine große Schlagwurst von vier Pfund dazu, und das hat Vater Isensee alles weggeputzt.

Dazu trank er fünf Liter Bitterbier, und schaute, ob nicht noch etwas da war, was aufgegessen werden könnte. Die Frau vom alten Isensee war eine große Lange. Sie war ein großer Geizkragen.
"Vater, Vater", meinte sie, "du frisst uns noch die Haare vom Kopf und machst uns noch bankrott!"

Aber Vater Isensee ließ sich nicht irre machen. Er aß und trank tüchtig weiter, so lange, bis er seinen Hintersten zugekniffen hatte.

Seitdem sagen die Leute am Elm, wenn einer viel isst: "Na, du bist wohl beim alten Vater Isensee in der Lehre gewesen?"

Von Fräulein Frieda Paarmann, Königslutter