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Die Langeleber Nachtigall

In Langeleben auf dem Elme, hat früher ein Mädchen gelebt, die war klein und hatte kein schönes Gesicht. Sie hat aber eine ganz besondere Gottesgabe besessen, mit der sie viele Leute erfreut hat und durch die sie über Langeleben hinaus weit berühmt geworden ist.

Sie konnte nämlich ganz wunderbar singen! Oft und gern hat sie in den Elmwaldungen gesungen, daß es weit und breit durch die grünen Wälder schallte.

Einmal ist die "Langeleber Nachtigall" - so nannte man das Mädchen allgemein im Volksmunde - wieder im Elm gewesen und hat ein Liedchen so ganz aus Herzenslust daher gesungen, da steht auf einem mal ein junges Liebespaar vor ihr auf dem Waldpfad, welches sich sichtlich über die kleine Sängerin freut.

"Bitte", sagte die junge, schöne Frau zu dem Mädchen, "singe uns noch ein schönes, altes Volkslied, wir wollen es dir auch lohnen!" Als nun die "Langeleber Nachtigall" der schönen, fremden Frau ihren Wunsch erfüllt hatte, gab der Herr der Jungfer einen nagelneuen Silbertaler in die Hand.

Wie die kleine Sängerin dann später hochbeglückt auf den dicken Silbertaler raufsieht, ruft sie erstaunt aus: "dieses ist ja die schöne, junge Frau und der stattliche, stolze Herr, die mir das Geld gegeben haben! Sie stehen eingeprägt auf meinem Silbertaler!"

Das junge Liebespaar aber war kein anderes gewesen, als der Herzog Ernst-August zu Braunschweig und Lüneburg und seine Gemahlin, die Herzogin Viktoria-Luise. So jedenfalls will man es gehört haben.

Von Maurerpolier Otto Meyer, Königslutter