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Pottbinder Rüscher

Der alte Pottbinder Rüscher in Destedt war ein Original, der nur "dumm Tuch" im Kopfe hatte.

Als junger Bengel setzte er sich einmal des Abends dem alten Backhause gegenüber an ein Haus und wartete, bis die Frauensleute des Nachts spät nach dem Backhause kamen, um ihre Kuchen abzuholen.

Plötzlich sehen sie, wie drüben eine weiße Gestalt an der Wand hockte - denn Rüscher hatte sich ein weißes Laken übergedeckt.

Nun war damals aber gerade der alte Vater Bahns gestorben, der dort gewohnt hatte, wo heute die Stellmacherei Münderlein ist. Die Frauen dachten nun, es sei des alten Bahns Geist und schrien laut auf:
"Ein Geist! - Ein Geist!"

Da kam ein Bäckergeselle aus dem Backhause herausgelaufen und frug, was denn da los sei? Wie er nun den "Geist" da sitzen sieht, ruft er:
"Mester geft mal dä Owenforke ruter, da will ick dat Spauk woll opsteken!"
[Meister, gebt mal die Ofengabel herunter, damit will ich den Spuk wohl aufstecken

Als das der Rüscher hörte, wurde es ihm doch zu heiß unter seinem Laken. Er lief was er nur konnte, und der Bäckergeselle hinterher. Daß Pottbinder Rüscher entkommen konnte, kam aber nur daher, der Bäcker war barfuß und Rüscher hatte lange "Stewwel" [Stiefel] an.

Von Schneidermeister Otto Luer, Destedt