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Dä Finkenburg [Die Finkenburg]


Die Finkenburg an der Stadtmauer Vorren Kauhdore in Lutter steiht dä Finkenburg; dat sünd dä lüttjen Hüser, dä linker Hand naen Sanne henn tau ligget. Düsse Hüser hat dä ole Kattenkopp Bühring vorr siene Arbeitslüe buen laten.

Wie nu dä ole Hertog Wilhelm von Bronswiek mal von' Kauhdore her na Lutter innetrecket is, un ganz Lutter met Girlanden un Blaumen un Pingestgräun ne smücket wörre, da harren dä Lüe in Bühring siene Arbeitshüser ne grote Girlande ower dä Strate rower e'trecket.

Ute Fenster awer hingen lauter lüttje Vöjjelbuer un blau-gäle Fahnen. Wie nu dä Hertog dä veelen lüttjen Vöjjelbuer sieht un dat veele Gräun datau, sejje hei luut tau sienen Adjudanten, so dat alle Lutterschen dat hören kunnen:
"Dat is ja tauschöne! Dat is ja dä reinste Pracht! Sonne schönen nien Hüser - dat is ja dä reinste Finkenburg!"

Seit düsse Tied sejjet dä Lutterschen tau düsse Hüser: "dat is dä Finkenburg".

[Vor dem Kuhtor in Lutter steht die Finkenburg; das sind die kleinen Häuser, die linker Hand dem Sande zu liegen. Diese Häuser hat der alte Katzenkopf Bühring für seine Arbeitsleute bauen lassen.

Wie nun der alte Herzog Wilhelm von Braunschweig mal vom Kuhtor her nach Lutter gezogen ist und ganz Lutter mit Girlanden und Blumen und Pfingstgrün geschmückt war, da hatten die Leute in Bührings Arbeitshäusern eine große Girlande über die Straße gezogen.

Aus den Fenstern aber hingen lauter Vogelbauer und blau-gelbe Fahnen. Wie nun der Herzog die vielen kleinen Vogelbauer sieht und das viele Grün dazu, sagte er laut zu seinem Adjutanten, so dass alle Lutterschen das hören konnten:
"Das ist ja zu schön! Das ist ja die reinste Pracht! Solche schönen neuen Häuser - das ist ja die reinste Finkenburg!"

Seit dieser Zeit sagten die Lutterschen zu diesen Häusern: "das ist die Finkenburg".]

Von Frl. Frieda Paarmann, Königslutter