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Osterwater

Miene Grotmudder was tau örer Tied immer dulle opp Osterwater ut. Wenn ett an'n ersten Ostermorjen vorr Sunnenoppgang wörr, dann gung sei mit us jungen Mäkens stillschweigend naen Osterborn, un hale da innen Kraug Water ruter, in datt wie us waschen moßten.

Datt solle us Gesundheit un Kraft gewen. Grotmudder meine ok, datt dä Mäkens un Fruenslüe en' schönet Jesicht davon kreijen däen.

Nur spräken durfte man nich dabie. Datt Water vonne Maiwelle in' Dörpe, datt is en Waterloop, dä von'n Holte runner kümmet, is ok schönet Water taun drinken un' waschen.

[Meine Großmutter war zu ihrer Zeit stark auf Osterwasser aus. Wenn es am ersten Ostermorgen vor Sonnenaufgang war, dann ging sie mit uns Mädchen stillschweigend zum Osterborn und holte daraus einen Krug Wasser heraus, mit dem wir uns waschen mussten.

Das sollte uns Gesundheit und Kraft geben. Großmutter meint auch, dass die Mädchen und Frauen ein schönes Gesicht davon bekommen würden.

Nur sprechen durfte man nicht dabei. Das Wasser der Maiwelle im Dorf, das ist ein Wasserlauf, der vom Holze herunter kommt, ist auch schönes Wasser zum Trinken und Waschen.]

Erzählt von Frau Ochsendorf, geb. Kirchhoff in Lelm.