Startseite -> Index

Der Brautstein in Eischott

Vor der Gastwirtschaft in Eischott steht ein hochaufgerichteter Stein, der im Volksmunde "dä Brutstain" genannt wird. Hiervon erzählte man sich früher folgendes.

Einst sollte ein Mädchen aus Eischott nach Hoitlingen heiraten. Da sie aber ihren Bräutigam, den die Eltern ausgesucht hatten, gar nicht liebte, weinte sie sehr und sagte, man sollte sie doch in Eischott lassen. Die Eltern wollten jedoch hiervon nichts wissen, sondern drängten auf die Verbindung ins Nachbardorf.

Als sie nun voneinander Abschied nahmen und die Braut bereits auf dem Wagen saß, der sie auf den neuen Hof bringen sollte, da sagte das Mädchen:
"Laiwer as Stain in Eischott stahn, as als Brut na Hautling gähn!"
[Lieber als Stein in Eischott stehen, als als Braut nach Hoitlingen gehen!]

Da fiel das Mädchen plötzlich vom Wagen und war ein großer Stein geworden. Man stellte diesen dann dorthin, wo er heute noch steht.

Ihren einen neuen Schuh hatte die Braut vorher auch verloren; der wurde auch zu Stein. An diesem wärmt sich der Gastwirt Tielecke im Winter immer nachts die Füße.

Als um 1860 der Bauer Lütge sich ein neues Haus baute, nahm er den alten Brautstein mit zum Fundament seines Grundstückes. Aber seit jener Zeit spukte es auf dem Hofe. Die Kühe rissen sich des Nachts von den Ketten los, und es war ein Höllenspektakel. Da hat man den Stein wieder an seine alte Stelle gesetzt, und seitdem war es wieder ruhig auf dem Hofe.

Anmerkung:
Vgl. Erich Eßmann, Der Brautstein in Eischott (in: Brschwg. Heimat, 27. Jahrgang 1936, S. 21, mit Abbildung der Steine). - Theodor Voges, Sagen aus dem Lande Braunschweig 1895, S. 236. - Pinkernelle, Sagen des Kreises Helmstedt, Helmstedt 1952, S. 44.

Altvater Christian Müller