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Mein Großvater erzählte uns Kindern immer folgende Begebenheit, die sich wirklich zugetragen haben soll:

Unser alter Onkel Andreas Wille, der von Beruf Schneider war, wurde im Dorfe nur "Sniewitchen" gerufen. Als junger Bursche ging er eines Abends durch die Wiesen nach Ohrsleben, wo seine Braut wohnte.

Nachdem der junge Schneidergeselle einige Stunden bei seiner Liebsten geweilt hat, trat er bei Mondenschein den Heimweg an. Wie er nun über die "Schapwiese" geht, sieht er dort ein kleines, schwarzes Schaflamm, das ihm entgegenläuft und anblökt.

Onkel Andreas sagt: "Lämmeken, het se dick denne vergetten?",
[Lämmchen, haben sie dich denn vergessen?]
nimmt das Tierchen über die Schulter und geht mit ihm gen Hoiersdorf.

Aber was war das? Je näher er dem Dorfe kam, desto schwerer wurde die Last.

Als er nun im Schweiße gebadet an den Ort kommt, wo sich heute die Börnersche Mühle befindet, fängt das Schaflamm an zu reden:
"Wenn du nicht sterben willst und dir dein Leben noch lieb ist, so bringe mich sofort wieder an den Ort, wo du mich aufgenommen hast".

Sniewitchen drehte sich um, kaum noch vor Angst seiner Sinne mächtig, und ging den weiten Weg zurück.

Dort angekommen, setzte er das Spukeding nieder und ist, so schnell ihn seine Füße tragen konnten, nach Hoiersdorf zurückgelaufen.

von Frau Wille geb. Müller, Hoiersdorf.