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Roß und Wagen versanken im Erdfall

Am Nordabhange des Elmes befindet sich auf der Feldmark von Bornum ein großes Wasserloch, der Erdfall genannt. Es soll eine unergründliche Tiefe haben, denn schon mehrere Male hat man ein Senkblei von bedeutender Länge hinabgelassen, aber man ist nie auf den Grund gekommen. An diesen Erdfall knüpft sich nun folgende Sage:


Naturdenkmal und Sagenort "Bornumer Erdfall"  - Silvester 2005 In einer dunklen Oktobernacht des Jahres 1809 fuhr aus dem Dorfe Rotenkamp ein Bauer mit zwei mutigen, aber sehr scheuen Pferden nach Braunschweig, um für seine Tochter, welche sich verehelichen wollte, Möbel zu holen.

Von den sumpfigen Wiesen der Scheppau her kamen aber Irrlichter auf das Gespann zu, da scheuten die Pferde und jagten querfeldein dem Elme zu. Das Hilferufen des unglücklichen Mannes, der auf dem Wagen saß, hörte ein anderer Landmann, der von Rieseberg nach Braunschweig fuhr, um Kohl zu verkaufen.

Er rief mehrmals durch die Nacht: "Hierher! Wir sind in der Ohe!" - so hieß eine Gegend am Südhange des Rieseberges bei Lauingen und Bornum. Aber bald verstummten die Hilferufe, und es wurde still auf dem Felde.

Der Ackermann war seitdem mit Rossen und Wagen verschwunden, nirgends war eine Spur zu entdecken. Nach mehreren Jahren kam durch ein kleines, immer laufendes Gewässer, das unter dem alten Kirchhof in Bornum hervorquillt, ein Zaumzeug ans Licht, auf dessen Scheuklappen die messingenen Anfangsbuchstaben von dem Namen jenes spurlos verschwundenen Landmannes standen.

Nun konnte die Sache bald aufgeklärt werden. Der Bauer war mit seinem Wagen in den Erdfall gestürzt und in diesem elendiglich ertrunken. Das Bächlein aber, so nimmt man seitdem an, steht mit demselben unterirdisch in Verbindung.

Th. Voges, Sagen, a. a. O. S. 219 (erzählt von Lehrer Heise zu Braunschweig).