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Von der Gütte bei Langeleben im Elm

Dicht bei dem ehemaligen Dorfe Langeleben im Elm liegt im Walde verborgen ein kleiner Teich, der im Volke kurz "dä Gütte" genannt wird. Ob er von längst verklungenen Tagen und versunkener Schönheit träumen mag?

Hier stand vor Zeiten ein stolzes Schloß, dessen Bewohner im Lande weit und breit gefürchtet waren. Als nun einmal wieder die Schloßleute nach einem erfolgreichen Raubzuge ein wildes Fest auf der Burg feierten, und die Ritter sich lauter Stimme ihrer bösen Taten rühmten, verfinsterte sich plötzlich der Himmel.

Dumpf vernahm man in der Ferne das Grollen des Donners, und hin und wieder zuckte ein greller Blitz um Türme und Zinnen des Hauses. Da stand der Burgherr auf, sah in die stillgewordene Runde, und trotzig sagte er mit lauter Stimme, man solle ja ruhig weiterfeiern, in diesem Hause führe er das Regiment und niemand anders. Da erlosch das Licht.

Unter Donnern und Blitzen und einem furchtbaren Getöse versank das Räubernest in die sich öffnende Tiefe. An seine Stätte war ein tiefes, dunkles Wasserloch getreten.

Seitdem hält man auf dem Elm bei jedem Gewitter mit Essen und Trinken ein.
In der Silvesternacht kann man auf dem Grund der Gütte das versunkene Schloß sehen, nur muß man sich gut in acht nehmen, daß einem der Hakemann, der in dem Wasser wohnt, nicht in das kühle Naß hinunterzieht.

Man weiß auch zu sagen, daß die wilde Jagd hier in den zwölf Nächten ihre Pferde tränkt. Wer sie aber dabei stört, muß fortan mit jagen bis an den jüngsten Tag.

Erst viele Jahre später baute man in der Nähe eine neue Burg auf, deren Ruinen man jetzt noch sehen kann.

Von Fräulein Sophie Fricke, Königslutter