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Schäfer als Hexenmeister

In Kneitlingen am Elme wohnte vor langen Jahren ein alter Schäfer, von dem die Leute im Dorfe sagten, er könne mehr als andere seines Standes. Es ging so z. B. auch von diesem "Schaper" die Rede, daß er dem Vieh "watt andaun" - aber auch Mensch und Vieh gegen allerlei Krankheit und Not besprechen könne.

Oft, wenn die Menschen in den Elmdörfern sich nicht mehr anders helfen konnten, ging man zu dem alten Schaper, um sich hier Rat und Hilfe zu holen.
Einmal ist ein Landmann zu dem Schäfer gekommen, dem sein Vieh verhext worden war. Es wollte einfach nichts mehr fressen, und mehrere Tiere waren schon eingegangen. Da sagte der alte Mann:
"Wenn jie wetten wüllt, wer jue Veih watt anne dan hat, dann will ick jüch datt geren zeijen. Ick sette jüch den Hexenmester morjen fräuh op juen Tun!"
[Wenn ihr wissen wollt, wer eurem Vieh etwas angetan hat, dann will ich euch das gern zeigen. Ich setze euch den Hexenmeister morgen früh auf euren Zaun!]

Tatsächlich saß am anderen Morgen in aller Herrgottsfrühe der Hexer auf dem Zaune des Landmannes und konnte nicht vor- und rückwärts. Erst als er eine ordentliche Tracht Prügel bekommen hatte, schlich er wie ein begossener Pudel nach Hause.

Von Altmutter Quidde, Kneitlingen