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Unsere Schwester fuhr mit unserem lieben, kleinen Bruder Richard spazieren. Es war dieses ein gesundes, blühendes Kind, und wir freuten uns alle, wie munter und lustig er vor sich her kakelte und wie freudig er immer wieder sein kleines Deckbettchen runterstrampelte.

Da kam auf einmal eine alte Frau daher, die in der Twetje in Königslutter wohnte. Diese sieht das Kind an, streicht ihm über den Kopf und sagt:
"Du bist tau schön forr düsse Welt, du bist tau schön forr düsse Welt!"
Unsere Schwester denkt sich in ihrem kindlichen Sinn nichts dabei und sagt zu Hause auch nichts von diesen seltsamen Worten. Binnen drei Tagen aber war unser kleiner Bruder tot. Er war vergangen wie der Tag.

Der Arzt, den meine Eltern sofort geholt hatten, zog noch einen weiteren Arzt zu Rate, und beide Herren standen vor einem Rätsel und sagten zu meinen Eltern, dem Kinde müsse jemand etwas angetan haben. Als nun der Junge tot war, da geht plötzlich die Haustür auf und die erwähnte alte Frau kommt in unser Haus. Sie war die erste Person, die zu uns kam, nachdem das Kind gestorben war.

Unsere Mutter sagte der Frau, daß der kleine Richard tot sei und als die Alte die Leiche sah, da sagte sie:
"Ja datt Lüttie was ok tau schön forr düsse Welt!"
Da hat unser Irmchen nachher erzählt, daß diese Frau vor einigen Tagen dieselben Worte gesagt und dazu den Kleinen gestreichelt habe. Meiner Mutter und meinem Vater gingen darob die Augen auf. Sie wußten nun, warum der kleine Bruder so schnell und geheimnisvoll sterben mußte.

Mutter sagte zu uns Kindern:
"Harre ick doch man nur op da Lüe e'hört, da mick schon immer vorr düse Engelmakersche e' warnt hett!" Die Alte aber war eine Hexe gewesen, die unseren Bruder verhext hatte.

Von zwei Schwestern aus Königslutter