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Wie man lästige Mieter los werden kann

Frau B. war Eigentümerin eines kleinen Grundstückes an der Helmstedter Straße in Königslutter, das ihr Großvater vor ungefähr 100 Jahren neu bebaut hatte. In dem Hause, das vorher Frau B. allein bewohnte, fand eine Flüchtlingsfamilie Unterkunft.

Frau B. stand zunächst mit der Familie in bestem Einvernehmen. Dieses Verhältnis wurde aber gestört, als im Laufe der Zeit noch andere Personen in dieses Haus eingewiesen worden waren. Zwischen den Wohnparteien entstanden Auseinandersetzungen, die in Zank und Streit ausarteten. Räumungsklagen, Gerichtsverhandlungen, Gerichtsbeschlüsse, die auf Grund der herrschenden allgemeinen Wohnungsnot nicht erfüllt werden konnten, gaben unerträgliche Unstimmigkeiten, die nun Frau B. veranlaßten, zur Selbsthilfe zu greifen.

Schon lange beschäftigte sich Frau B. mit allerlei Dingen, die sie mit einem Mantel des Geheimnisvollen umgab. Sie stand in dem Rufe, mehr zu können, als gewöhnliche Menschen und hielt auch nicht damit hinterm Berge, für allerlei Gelegenheiten und Zufälle Hilfe zu wissen.

Oft ließ sie durchblicken, in Besitz des geheimnisvollen 6. und 7. Buches Moses zu sein. Frau B. kam nun nach Frau Dammann und frug diese, ob sie ihr nicht alte Glasscherben, die von einem zerbrochenen Fenster herstammten, geben könne; da sie diese dringend benötige.

"Ick lat se von'nen afnehmenden Maand beschienen un bespräke se dänne. Dana grawe ick dä Scharwen, dä ick vorher noch lüttich e' kloppet hewwe, um Mitternacht unnern Fenster bie K. in, awer nadürlich allet stillschwiegend. Denn mött se ruter, op se wüllt oder nich. Se hett denne keine Rauhe mehr."
[Ich lasse sie vom abnehmenden Mond bescheinen und bespreche sie dann. Danach grabe ich die Scherben, die ich vorher noch kleingekloppt habe, um Mitternacht unter dem Fenster bei K. ein, aber natürlich alles stillschweigend. Dann müssen sie raus, ob sie wollen oder nicht. Sie haben dann keine Ruhe mehr.]

Frau Dammann war sehr erstaunt, und hierauf erklärte Frau B.
"Datt hewwe ick bie R.'s ok all e' maket, un dä mosten ok ruter!"
[Das hatte ich bei R.'s auch gemacht, und die mussten auch raus!]

Die Familie K. ist bald danach tatsächlich nach Wolfsburg verzogen. Frau B. mußte aber ebenfalls wenig später das Haus verlassen, da dieses inzwischen schuldenhalber zwangsversteigert war und den Besitzer gewechselt hatte.

Frau Dammann meinte dazu:
"Datt Glas hat ok dä ole B.'sche öhr Glück kaputte snedden. Op sau wat rauht kein Glücke!"
[Das Glas hat auch das Glück der alten B.'sche kaputt geschnitten, Auf so etwas ruht kein Glück!]

Von Frau Dammann, Königslutter