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Der Gluhschwanz in Evessen

Der alte Nachtwächter Löhr in Evessen war ein aufgeklärter Mann, der viele Jahre hindurch des Nachts das kleine Dorf am Elm bewachte. Er glaubte nicht an Spukerei und schüttelte immer lachend den Kopf, wenn die Leute von Hexerei und Düwelskram [Teufelskram] sprachen.

Als nun an einem Winterabend die Burschen und Mädchen wiederum einmal bei einem Bauern in der Spinnstube beisammen sind, die Tranfunzel ihr Licht flackernd in die große Hausdäle wirft, kommt man auch wieder auf allerlei Spukgeschichten zu sprechen. Da sagt der alte Nachtwächter Löhr plötzlich:
"Et mott doch mehr gewen twischen Himmel un Eere! Ick kann et jüch nich recht beschriewen, man mott et e'seihn hemm'n. Da gunk ick doch einet nachts in'n Dö'rpe lang un seih da vorr mick lauter lüttje gluije Pünktchen so wie en langen, gluen Swanz vorr mick opper Strate ob un dal huppen. Et was einfach furchtbar, un mick brak dä Swet ut alle Poren ruter. Ick wörre ganz naß! Dat mott woll dä Gluhswanz e'west sien."

[Es muss doch mehr geben zwischen Himmel und Erde! Ich kann es euch nicht recht beschreiben, man muss es gesehen haben. Da ging ich doch eines Nachts im Dorf entlang und sehe da vor mir lauter kleine glühende Punkte sowie einen langen, glühenden Schwanz vor mir auf der Straße auf und ab hüpfen. Es war einfach furchtbar, und mir brach der Schweiß aus allen Poren heraus. Ich wurde ganz nass! Das muss wohl der Gluhschwanz gewesen sein]

Von Fräulein Löhr, Evessen