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Eine Erzählung aus einem alten, braunschweigischen Bauernhaus

Wenn es im Hause duster wird und die Schummerige [Beginn der Abendstunden] angebrochen ist, dann dauert es nicht mehr lange, und der Spinnenwebmann kommt ins Haus hinein. Er lukt zur rechten und zur linken Seite, und schwuppdiwupp knarrt leise die Tür in den Angeln, und durch den Türspalt huckte er in die Küche hinein.

Er ist ganz still und setzt sich in die Ecke, da wo der Herd mit dem Schornstein zusammenstößt, und wo das Loch in der Wand ist, worin sie immer die Tranfunzel stellen.

Die Katze schnurrt und leckt sich ihre Pfoten. Nebenan im Stall klirrt eine Kette an der Hille.

Der Spinnenwebmann ist alt und grau, und keiner weiß so recht, wie alt er eigentlich ist. Es hat ihn auch noch niemand von Auge in Auge zu sehen bekommen.

Unsere Großmutter hob ihren Zeigefinger in die Höhe und sagte zu den Kleinen:
"Seid ja hübsch artig und macht kein dummes Zeug, damit ihr den Spinnenwebmann ja nicht vergrault. Der ist schon seit Menschengedenken bei uns zu Hause, und es gibt großes Unglück und ein großes Spektakel, wenn er auf einmal nicht mehr da wäre."

Nach Heinz-Bruno Krieger